Alle Generationen auf Rad

Am Niederrhein fährt man gerne Fahrrad, keine Frage. Aber es schadet ja nicht, wenn man dazu noch eine besondere Motivation erhält. Diese bietet sich in den nächsten Wochen und Monaten definitiv. Ob für sich selbst Kilometer zählen oder Gemeinschaft erfahren – hier ist sicher für jeden Fahrrad-Fan etwas dabei. 

Ulrike Gerards

Die Jungen und Mädchen der Klasse 4b der Grundschule Wiesenstraße stehen schon in den Startlöchern. Viele von ihnen sind wieder dabei, wenn am 10. Juni der Startschuss für die Aktion Stadtradeln fällt. Und mit ihnen nahezu die ganze Schule. Im Jahr 2022 war die Grundschule im Kempener Süden zum ersten Mal bei der Aktion dabei und hatte gleich einen Preis gewonnen, weil so viele Kinder, Lehrerinnen und Lehrer, aber auch Eltern und Betreuungskräfte mitgemacht hatten. „Das war nicht geplant. Das hat sich ganz schnell verselbstständigt“, schaut Schulleiter Stefan Ungruhe zurück. „Frau Hiller, die bei uns für die Verkehrserziehung zuständig ist, und ich hatten uns überlegt mitzumachen, um einen Anreiz zu bieten, vom Auto wegzukommen“, so Stefan Ungruhe. Jeder gefahrene Kilometer ist schließlich gut für den Körper, gut für die Umwelt und wenn es auch noch der Schulweg ist, kommen die Kinder einfach wacher in der Schule an. 

Die Begeisterung fürs Radfahren und fürs Kilometersammeln war geweckt und steckte an. Jeden Montag wurden die geradelten Kilometer gesammelt und auf einer großen Pinnwand zusammengerechnet. Und die Motivation sprang auf die Lehrerinnen und Lehrer, auf Eltern und Geschwister über. „Familien mussten am Wochenende Radtouren machen, weil die Kinder Kilometer sammeln wollten“, erinnert sich Stefan Ungruhe schmunzelnd. Eine Familie, die außerhalb wohnt, kam jeden Tag mit dem Fahrrad zur Schule. Ein Junge drehte schon morgens vor dem Unterricht Runden. „Ich habe dann auch öfter morgens das Fahrrad genommen. Das motiviert mich natürlich auch“, so Stefan Ungruhe, der von Zuhause zur Schule eine Strecke von elf Kilometern zurücklegt. 

Am Ende kam bei der Wiesenstraße eine Gesamtstrecke zusammen, die von Kempen nach Australien reicht. Die eingesparte Menge CO2 – zwei Tonnen – wiegt so viel wie ein großes Auto. „Das können sich auch die Kinder gut vorstellen“, so Stefan Ungruhe. 

Stadtradeln ist eine deutschlandweite Aktion, die sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreut. Ziel ist es, das Fahrradfahren als umweltfreundliche und gesunde Alternative zum Auto zu fördern, das Bewusstsein für den Klimaschutz zu schärfen und gleichzeitig einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität und der eigenen Gesundheit zu leisten. 2023 haben bundesweit 1,1 Millionen Menschen teilgenommen und dabei insgesamt rund 228 Millionen Kilometer zurückgelegt. Im Kreis Viersen wurden über 800.000 Kilometer erradelt. 

Die Aktion macht Spaß. Aber die positiven Auswirkungen sind durchaus vielfältig. In den vierten Klassen stehen nun die Fahrradprüfungen an. Dabei geht es nicht nur darum, Verkehrsregeln zu lernen, sondern auch sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen und ein Bewusstsein für das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer zu schaffen – auch dafür, dass diese einem mal die Vorfahrt nehmen können. „Da ist es gut, wenn häufig Fahrrad gefahren wird und Kinder bei den Eltern sehen, wie man sich verhält“, so Ungruhe. Erste Voraussetzung für die Prüfung: Das Fahrrad muss verkehrssicher sein. Der Vater eines Kindes der Regenbogenschule hat ein neues Fahrrad gespendet, das nun bereit steht und von beiden Grundschulen genutzt werden kann, wenn ein Kind kein verkehrstüchtiges Rad zur Verfügung hat. „Das ist eine tolle Sache“, freut sich Stefan Ungruhe zusammen mit seinem Kollegen Philip Herz von der Regenbogenschule. 

Dann spielt beim Radfahren natürlich auch der Umweltaspekt eine Rolle. Man kann auch jüngeren Kindern die Vorteile des Radfahrens erklären. „Warum jeder eingesparte Autokilometer gut ist, verstehen die Kinder schon im Kita-Alter. Und das motiviert. Die Kinder haben ein sehr großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Umwelt und dem Klima. Das Thema Klimawandel bewegt sie. Und sie verstehen, dass sie selbst etwas tun können. Und dass sie ihre Familien dazu bewegen können“, stellt Stefan Ungruhe immer wieder fest. 

Die Begeisterung fürs gemeinsame Kilometersammeln hat sich gehalten und wird nun im Juni wieder viele zum Mitmachen motivieren, ist der Schulleiter überzeugt. Ihn freut es, dass das Fahrradfahren in Kempen einen so hohen Stellenwert hat. Neben den vielen anderen Vorteilen macht es einfach auch die besondere Atmosphäre der Stadt aus. 

Natürlich ist nicht nur die Wiesenstraße beim Stadtradeln am Start. Mitte Mai sind schon die Regenbogenschule, das Thomaeum und das Rhein-Maas-Berufskolleg sowie Parteien, Vereine und Unternehmen als Teams angemeldet. Viele weitere kommen sicher noch dazu. Noch kann jeder und jede einsteigen. Vom 10. bis 30. Juni ist der Aktionszeitraum im Kreis Viersen. Der Kreis und das Klimabündnis rufen gemeinsam zum Mitmachen auf und laden interessierte Bürgerinnen und Bürger ein, ihre Alltagswege mit dem Fahrrad zurückzulegen und damit Kilometer für das Klima zu sammeln.

Gemeinsam den Niederrhein entdecken 

Kilometer sammeln kann eine Motivation sein. Für andere ist es schön, zusammen in die Pedale zu treten und Gemeinschaft zu erleben. Das geht zum Beispiel beim Verein Linker Niederrhein Kempen (VLN). Klaus Schumeckers spielt im Verein begeistert Doppelkopf und Skat, hat bereits Wanderungen angeboten, nun stehen im Juni die ersten beiden Radtouren am Niederrhein an, die er führt, nämlich an die Maas und zum Stadtwaldhaus nach Krefeld (siehe Infokasten auf Seite 10). Mehrtägige Touren, die an die Ahr, die Nahe und an die Lahn führten, hat er bereits angeboten. Nun lädt er Interessierte dazu ein, mit ihm den Niederrhein zu erkunden. 

Radfahren ist ein beliebtes Angebot beim VLN. Wenn das Wetter gut ist, kommen schon mal bis zu 40 Mitradler. „Wenn Gleichgesinnte zusammenkommen, hat man gleich eine gute Stimmung“, erzählt Klaus Schumeckers. In der Gruppe entdeckt man neue Strecken, die man selbst wohl nicht finden würde. Man ist draußen in der Natur unterwegs und sieht den schönen Niederrhein. Und Radfahren hält fit. Die Geselligkeit, der Austausch auch mit immer wieder neuen Menschen und die gemeinsame Einkehr machen das Radfahren dann noch schöner. Routen zu finden, fiel ihm nicht schwer. „Ich fahre selbst viel am Niederrhein. Ich nehme Routen, die ich gut finde, und hoffe, dass diese auch den anderen gefallen. Ich persönlich fahre zum Beispiel gerne am Wasser entlang“, so Klaus Schumeckers. Meist liegt das Alter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 60 und 80 Jahren. Die meisten seien mittlerweile mit dem E-Bike unterwegs. Interessierte seien herzlich willkommen, lädt Klaus Schumeckers ein. Der VLN freut sich immer über neue Mitglieder. 

Radwandertag wird zum Raderlebnistag 

Und wer noch mehr Motivation zum Radeln benötigt, der kann sich den 7. Juli vormerken: Dann steht der Raderlebnistag Niederrhein, früher Niederrheinischer Radwandertag, an. In diesem Jahr soll es – neben dem neuen Namen – weitere Neuigkeiten geben, verspricht die Niederrhein Tourismus GmbH als Koordinator. Der Erlebnis- und Eventcharakter werde stärker herausgestellt. Zudem steht die Digitalisierung im Vordergrund. So wird die beliebte Tombola zum Online-Gewinnspiel. Künftig erfolgt eine digitale Registrierung, statt Starterkarten braucht es nur noch ein Smartphone. Dann kann man vor Ort Fragen beantworten und Fotos dazu hochladen. Für die Teilnehmenden, die den digitalen Weg noch nicht gehen können oder möchten, werden vor Ort Möglichkeiten zur Unterstützung geschaffen. Die Registrierung ist freiwillig, mitradeln kann man auch ohne. Auf Papier wird weitgehend verzichtet: Zu den Routen werden sogenannte GPX-Tracks zur Verfügung gestellt. Thematische Routentipps sollen verstärkt junge Familien ansprechen. Erlebnis- und Genussstationen werden an verschiedenen Orten geöffnet sein. In Kempen ist die Anlaufstelle auf dem Buttermarkt. Infos und Routen unter: niederrhein-tourismus.de/radwandertag

Mitmachen beim STADTRADELN

Wer mitmachen möchte, kann ein Team gründen oder einem bereits bestehenden Team beitreten. Die geradelten Kilometer werden online eingetragen und zählen für die eigene Stadt oder Gemeinde und für das eigene Team. Die Städte und Gemeinden können sich so in einer deutschlandweiten Rangliste messen und um den Titel „Fahrradaktivste Kommune mit den meisten Radkilometern“ wetteifern. Start der Aktion ist am 10. Juni. Eine Anmeldung ist möglich unter
www.stadtradeln.de/kreis-viersen 

Termine für Radtouren

Der Verein Linker Niederrhein Kempen bietet immer wieder gemeinsame Radtouren an: Am Samstag, 1. Juni, ab 9 Uhr geht es zur Maas, Strecke 65 Kilometer. Die Leitung hat Klaus Schumeckers, Tel. 02152 518785. Am Dienstag, 25. Juni, 18 Uhr, gibt es eine Abendradwanderung über 20 Kilometer unter der Leitung von Paul Brümmer, Tel. 02152 2452. Am Samstag, 29. Juni, führt ab 9.30 Uhr eine 55 Kilometer lange Tour zum Stadtwaldhaus Krefeld, ebenfalls unter der Leitung von Klaus Schumeckers. Mehr Infos zum VLN unter: www.verein-im-netz.de/vln-kempen

Fahrrad fahren – Freizeit im Hagelkreuz heißt es am 8. Juni, 11 bis 16 Uhr. Die Hagelkreuz-Biker laden an jedem zweiten Samstag im Monat alle Interessierten zu einer Radtour ein. Treffpunkt ist an den Stelen auf dem Concordienplatz. Die Wegstrecken sind ca. 30 bis 40 km lang, Dauer ca. 4 bis 5 Stunden. Ansprechpartner ist Klaus Zens, Tel. 02152 8992538.

Der ADFC lädt zu einer geführten Fahrt der „Radtour des Monats im Kreis Viersen“. Am Sonntag, 16. Juni, steht sie im Zeichen der Fußball-Europameisterschaft und führt von Schwalmtal unter anderem bis zum Borussia-Park in Mönchengladbach. Beginn ist um 11 Uhr am Parkplatz Harikseeweg nahe Knotenpunkt 91 in Schwalmtal. Tourleiter ist Hartmut Genz, Tel. 0172 20 52 536. Mehr Touren des ADFC Krefeld Kreis Viersen unter touren-termine.adfc.de

Fotos: Patrick van der Gieth, Simple Line,
ARochau, Syda Productions – stock.adobe.com

Raderlebnistag mit Routen für Groß und Klein

Drei Fragen an Martina Baumgärtner, Geschäftsführerin der Niederrhein Tourismus GmbH

Mit dem neuen Raderlebnistag Niederrhein wollen Sie junge Familien als Zielgruppen erreichen. Wie kann das gelingen?

Wir haben die Städte und Gemeinden gebeten, auch Routen für die Zielgruppe Familien anzubieten. Die 63 teilnehmenden Kommunen haben rund 90 Routen-Vorschläge eingereicht, davon sind zwölf mit Längen von knapp 17, 20 oder auch 23 Kilometern besonders familientauglich. Und vor allem sind es die Ziele, an denen man viel Spaß haben kann. So führt eine Route in Niederkrüchten zu einer Dirtbikebahn, am Hariksee kommt man zu einer Minigolfanlage und im Brüggener Ortskern bietet sich zum Beispiel der Besuch der Eisdiele an.

Worauf können sich die Radlerinnen und Radler am 7. Juli besonders freuen?

Die Tombola wird es in diesem Jahr als Online-Gewinnspiel geben, bei dem man wirklich schöne Preise gewinnen kann: ein E-Bike, gesponsert vom Fahrradhändler van Herk Bikes aus Nettetal, ein Tourenrad, gesponsert von Radsport Claassen aus Kempen, und ein Wellness-Wochenend-Gutschein, gesponsert vom Waldhotel Tannenhäuschen aus Wesel. Dazu bieten die einzelnen Kommunen tolle Veranstaltungen, wie ein Streetfood-Festival in Kempen auf dem Buttermarkt oder ein Street Art Festival in Krefeld. In der Stadt Willich ist das Heimatmuseum Kamps Pitter Anlaufstation, in der Gemeinde Grefrath das Auffelder Bauerncafé und in Tönisvorst der St. Töniser Obsthof. Die Kommunen sind da sehr kreativ geworden und haben Betriebe und Sehenswürdigkeiten vor Ort eingebunden. 

Haben Sie selbst eine Lieblingsroute?

Noch habe ich nicht alle Routen gesehen, daher kann ich mich noch nicht entscheiden. Aber ich bin ja viel am Niederrhein unterwegs und weiß, dass unsere Region immer reizvoll ist und es immer wieder Neues zu entdecken gibt. Ich bin ein Fan von Wasser, daher würde mich eine Route am Wasser entlang reizen.