Ulli Potofski trifft Thorsten Sleegers

Ulli Potofski trifft … Thorsten Sleegers

Der TV-Reporter und Kempen-Podcaster im Interview

Ganz viele Menschen würden ja gerne beim Fernsehen arbeiten. Wie bist du zu diesem Medium gekommen?
Thorsten Sleegers: Ich habe mit 14 Jahren angefangen zu moderieren. Ich habe damals nicht in Kempen gelebt, sondern in Grefrath, und habe da auf Stadtfesten und die Jugenddisko moderiert. Die Veranstaltungen wurden immer größer. Und irgendwann hab ich mit einem Kumpel eine richtig große Veranstaltung organisiert, wo auch namhafte Schauspieler und Künstler dabei waren, aus der Lindenstraße, aus dem Musikgeschäft. Den Erlös haben wir für krebskranke Kinder gespendet. Das ist dann alljährlich wiederholt worden und da habe ich gemerkt, das ist was, was mir unheimlich viel Spaß macht. Eigentlich wollte ich Zahnmedizin studieren, wie mein Papa damals, der ist Zahntechniker. In der elften Klasse habe ich gesagt: Nee. Ich will zum Fernsehen. Und so ist es gekommen.
Welche Aufgabe hast du zurzeit ganz genau bei RTL?
Ich bin jetzt seit über 20 Jahren im Mittagsmagazin Punkt 12. Lange Zeit habe ich da Wetter- und Reise-Specials moderiert. Seit 2007 mache ich ein Format, das heißt die „Punkt 12“- Reporter. Das sind zehn- bis zwölfminütige Reportagen. Meine Spezialgebiete sind die Selbstexperimente: Wie lange schaffe ich es wach zu bleiben, ich habe es schon auf 65 Stunden gebracht. Oder was machen gewisse Ernährungsformen oder -experimente? Aber die setzen mich auch ein für Menschen, die Hilfe brauchen, die alleine nicht weiterkommen, etwa bei Behörden. Das ist schon recht bunt gemischt, was ich da mache.
Du warst also schon vor dem Jenke-Experiment sozusagen ähnlich unterwegs.
Genau. Und das schon ganz lange. Jenke war ja lange als Reporter in der Sendung „Extra“ und was er später in lang gemacht hat, hatte ich davor bei Punkt 12 in kurz schon alles durch. Jenke hat das natürlich alles ausgeweitet, auf so einem Sendeplatz muss man für eine Stunde Programm noch ein bisschen weiter ausholen. Und Jenke hat dann in seiner Art noch ordentlich einen draufgelegt.
Und jetzt muss er Werbung für Wärmepflaster machen. So kann es weitergehen. Sag mal, wenn man so berühmte Kollegen hat, wie Katja Burkhard, Peter Klöppel oder Günther Jauch, trifft man die eigentlich so ganz normal in der RTL-Kantine?
Günther Jauch jetzt weniger.
Er behauptet ja, er wäre noch nie drin gewesen.
Also in der RTL-Kantine habe ich Günther Jauch tatsächlich auch noch nie gesehen. Aber Katja sehe ich, wenn nicht gerade Corona ist, täglich, Peter Klöppel, wenn er da ist.
Weißt du, wo ich Katja kennengelernt habe? Auf dem Dach. In London auf einem Dach. Und zwar in Wimbledon. Unvergesslich war das für mich. Da kam eine junge, sehr hübsche Reporterin und die wurde mir an die Seite gestellt. Aber das ist ja nicht unser Thema. Was wir ja immer gerne hören, sind die schlimmsten Zwischenfälle. Hattest du mal live eine richtig schöne Panne?
Da gab es viele. Eine Sache ist danach jahrelang immer noch in Shows der schönsten Pannen dabei gewesen. Das war eine Live-Schalte im Duisburger Zoo, die hatten ein Kamel-Baby. Der Kleine war total schüchtern, hat sich immer hinter der Mama versteckt. Da dachte ich schon, den kriegen wir niemals vor die Kamera. Kurz vor der Sendung hab ich mich im Gehege auf einen großen Baumstamm gesetzt und in dem Moment, als das Rotlicht auf der Kamera angeht, rennt dieses Kamel wie von der Tarantel gestochen los, springt auf meinen Schoss wie ein großer Hund und haut mich fast vom Baumstamm. Ich hatte einen Lach-Flash, der Kameramann hat gezittert, weil er so lachen musste, und als wir zu Katja zurück geschaltet haben, war sie kaum in der Lage den nächsten Beitrag anzumoderieren, weil sie so lachen musste.
Dazu kann ich erzählen, ich habe mal bei einer Sendung mitgemacht, die hieß „Das Tier in mir“. Das war ein hochinteressantes Experiment. Da musste ich 14 Tage in einer Elefantenherde leben – mit allem Drum und Dran. Lange her. Viele Leute beneiden einen ja, wenn man beim Fernsehen arbeitet, da lernt man große Persönlichkeiten kennen. Gibt es eine Person, von der du sagst, da ist so viel hängen geblieben, dass ich da ein ganzes Leben von zehren werde?
Ich habe mal mit Heiner Lauterbach gedreht. Das war ein sehr interessanter Dreh, weil er ein großartiger Schauspieler und ein ganz sympathischer Mensch ist. Und ich hatte mal ein Erlebnis mit Naomi Campbell in Berlin, das ist hängen geblieben, weil alle gesagt haben, das ist doch die größte Zicke vor dem Herrn. Aber das Gegenteil war der Fall. Wir haben uns gut verstanden. Nach dem Interview ist sie noch mal zurückgekommen und hat sich bedankt und meinte, das sei eines der natürlichsten und angenehmsten Gespräche gewesen, und hat mir ein Küsschen auf die Wange gegeben. Und das werde ich nie vergessen, weil das fand ich mega-sympathisch.
Jetzt kommt die wichtigste Frage: Wie bekommst du immer wieder Kempen ins Fernsehen? Hier im Venga, wo wir gerade sitzen, hast du zum Beispiel schon Experimente gemacht.
Hier im Venga dreh ich in der Tat sehr oft. Das hängt meistens mit den Experimenten zusammen, die ich mache. Da wird ganz viel von meinem Alltag porträtiert. Kempen ist dafür als Kulisse wunderschön. Und hier im Venga kenne ich das Team seit vielen Jahren und ich fühle mich sehr wohl. Wir waren auch schon oft auf dem Wochenmarkt, weil das immer eine Mega-Kulisse ist für Themen wie Ernährung und Einkaufen.
Du machst auch einen Podcast über Kempen. Ich durfte auch schon Gast aus. Wie oft erscheint der und wie suchst du dir die Gesprächspartner aus?
Seit über einem Jahr gibt es alle zwei Wochen eine neue Folge. Mir ist es wichtig, Geschichten über Menschen in der Stadt zu erzählen. Vom Bürgermeister bis hin zu Menschen, die vielleicht nicht so bekannt sind. Das war mein Corona-Baby. Als ich beschlossen habe, den Podcast zu machen, war die Stimmung ziemlich unten und wollte was machen, was die Menschen aufheitert. Es ist zwar schwer alles zu terminieren, weil ich das neben meinem Beruf mache, bisher gelingt es aber, alle zwei Wochen eine Folge rauszubringen.
Also, mal reinhören. Das macht Spaß. Wenn du als Fernsehmann einen Wunsch frei hättest, was würdest du gerne moderieren?
Es hat mir immer wahnsinnig Spaß gemacht, fürs Fernsehen zu reisen. Eine Reisesendung würde ich gerne wieder machen.
Lass uns doch „Ein Tag wie kein anderer“ wieder machen?
Das war eine meiner Lieblingssendungen, die habe ich geliebt. Was mir auch liegt, ist die Arbeit mit Menschen. Also, eine Sendung, in der es darum geht, Menschen zu helfen und Menschen zusammenzubringen, sowas würde mir auch Spaß machen.
Ich gebe dir den Rat: Schreibe ein modernes, neues Konzept. Ich glaube, RTL sucht noch Formate. Aber eins noch. Viele Menschen sagen: Das lineare Fernsehen braucht man gar nicht mehr. Jetzt kannst du ein Plädoyer dafür abhalten, dass wir es noch brauchen.
Ich denke, was Nachrichten und Information angeht, da ist das lineare Fernsehen noch extrem wichtig, das guckt man noch weiter, davon bin ich überzeugt. Aber bestes Beispiel: Heute ist meine aktuelle Reportage gesendet worden. Nicht nur linear im Fernsehen, sondern parallel im Streaming bei RTLplus, auch bei RTL.de. Ich persönlich finde das toll, weil ich aussuchen kann: Habe ich jetzt Zeit oder schaue ich es mir später an. Ich genieße das, auf allen Plattformen unterwegs sein zu können.
Thorsten, ich danke dir für das Gespräch.
Foto: Patrick van der Gieth