Der Spiele-Boom hat in den letzten Jahren neue Dimensionen erreicht und begeistert Jung und Alt gleichermaßen. Gerade in der kalten Jahreszeit bieten Spiele eine willkommene Abwechslung und schaffen warme Gemeinschaftserlebnisse im heimischen Wohnzimmer. Erlebe Kempen hat sich bei Fachleuten umgehört und Spiele-Tipps zusammengestellt.
Im Oktober wurde Essen wieder zum Mekka für Spielefans aus der ganzen Welt. Zur Messe SPIEL Essen kamen mehr als 220.000 Besucher – so viele, wie noch nie. Auch die Ausstellungsfläche von 77.500 Quadratmetern bildete einen neuen Rekord. 948 Aussteller aus 50 Nationen präsentierten mehr als 1.700 Neuheiten. Alle Tage waren ausverkauft. Und so schob man sich an den Besuchertagen von Stand zu Stand – viele auf der Suche nach einer Möglichkeit, ein neues Spiel gleich vor Ort auszuprobieren oder ein Schnäppchen zu machen. Kenner kommen gleich mit einem großen Rollkoffer.
Ein besonderes Highlight: 1.170 Menschen spielten gleichzeitig das Brettspiel Catan und überboten damit den bisherigen Weltrekord von 2017, als in Rotterdam 1.096 Catan-Spieler gleichzeitig aktiv waren. In der Essener Grugahalle wurde, damit alle zeitgleich mitmachen konnten, die jeweilige Würfelzahl für alle sichtbar auf einer Videoleinwand gezeigt. Catan ist ein absoluter Spiele-Klassiker und wurde binnen 30 Jahren mit seinen vielen Erweiterungen in rund 100 Ländern mehr als 45-Millionen-mal verkauft.
Auf der Spielemesse gebe es laut den Organisatoren keinen eindeutigen Trend, berichtete der WDR. Vieles sei beliebt: von einfachen Karten- oder Würfelspielen über Party- und Rollenspiele bis hin zu so genannten Kennerspielen, an denen man stundenlang knifflige Aufgaben lösen muss. „Wir haben ein großes Wachstum von rund 22 Prozent bei Spielen, Puzzeln aber auch bei Sammelkarten“, zitiert der WDR Hermann Hutter, Vorsitzender des Verbandes der Spieleverlage. Sammelkarten seien gerade der Hit. Laut der Experten-Einschätzung haben Sammelkarten damit Escape Games etwas abgelöst, die vor einigen Jahren absolut im Trend gewesen seien.
Sammelkarten an der Peterstraße
Den Trend kennt auch Massimo Basso sehr gut. Vor anderthalb Jahren hat er in Kempen mit einem Geschäftspartner den Laden „MaBasso“ für Sammelkartenspiele eröffnet, sogenannte Trading Card Games, kurz TCG, wie Pokémon, Yu-Gi-Oh!, One Piece und Disney Lorcana. „Aus Spaß“ haben sie zunächst das Geschäft an der Mülhauser Straße eröffnet, wie er sagt. Vorher hatten sie drei Jahre lang allein online gehandelt. Der Erfolg kam schnell, sodass schon bald ein Umzug anstand. Und seither ist am neuen Standort an der Peterstraße 32 immer etwas los. Die Tische sind abends oft gut besetzt. Jedes Spiel hat einen eigenen Wochentag. Dienstags ist Pokémon angesagt, donnerstags One Piece, freitags wird Lorcana gespielt. Samstags gibt es oft spezielle Events. Bei den Spielerinnen und Spielern ist vom Grundschulalter bis hin zum Rentner alles dabei. „Unser ältester Kunde war 85 Jahre alt“, erzählt Massimo.
Und die Community wächst. Neben den vielen Stammgästen kommen auch immer wieder TCG-Neulinge dazu. „Wir fragen dann immer erst: Wollt Ihr sammeln oder spielen und wie ist das Budget?“, sagt der Inhaber. Wer mit Pokémon anfangen möchte, ist mit einem Starter-Deck für 35 € gut bedient, Yu-Gi-Oh! kann man schon mit einem Pack für 8 € anfangen. Jedes Spiel ist anderes. Alle zwei bis drei Monate gibt es etwas Neues. Und daher könne man auch immer neu einsteigen. Der neuste Sammelkarten-Hype ist „Riftbound – League of Legends“. „Wir haben jeden Tag zwei, drei Anrufer, die fragen, ob wir Ware davon da haben. Wir hoffen auf weitere Ware im Dezember“, sagt Massimo.
Kempener Verlag bei der SPIEL
Zurück zur Spiele-Messe: Mittendrin im Spiel-Getümmel war auch in diesem Jahr der Kempener Moses. Verlag. „Wir stellen seit vielen Jahren auf der SPIEL Essen aus – die Messe wird mit jedem Jahr größer und daher auch für uns immer wichtiger. Es ist einfach toll, zu beobachten, wie diese Branche boomt und wie viele Menschen sich für das analoge Gesellschaftsspiel begeistern können“, sagt Friederike Wehse, Leitung Marketing & PR bei Moses.
Trotz der Internationalität, der vielen Hallen und der vollen Gänge entstehe in Essen immer eine ganz besondere Atmosphäre: Alle kommen zum gemeinsamen Spielen, alle sind gespannt auf die Neuheiten, viele bereiten sich sogar vor und wissen schon vorher, was sie testen wollen. Die meisten sind Brettspielfans und kommen jedes Jahr. „Ich finde, dass es sich manchmal ein bisschen so anfühlt, wie ein riesengroßes Familientreffen“, sagt Friederike Wehse.
Der Schwerpunkt am Moses-Stand lag in diesem Jahr auf dem neuen Quizspiel „Quiz-O-Meter“ von Paul Schulz. Der Autor war auch selbst am Stand und hat ein paar Fragen mit dem Publikum gerätselt. „Das Spiel kam sehr gut an und wurde oft gespielt bei uns am Stand. Wir sind hochzufrieden.“ Aber auch die kleineren, „schnellen“ Spiele fanden viel Anklang, zum Beispiel „Blitz-Zebra-Astronaut“ oder „Size Matters“. Und natürlich kommen jedes Jahr black-stories-Fans zum Moses-Stand und wollen sehen, was es in der Reihe der rabenschwarzen Rätselgeschichten Neues gibt. „Da konnten wir dieses Jahr mit einer Sonderedition im Sarg aufwarten.“
Moses hat nicht nur Spiele im Sortiment, sondern auch ein sehr umfangreiches Kinder- und Erwachsenen-Programm mit Spielwaren, Outdoor-Accessoires, Kartensets, Büchern und Geschenkartikeln. Daher ist das Moses-Team auch auf vielen anderen Messen vertreten, wie zum Beispiel bei den beiden großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig oder auf Fachmessen wie der Münchner Trendet, Hamburger Nordstil oder Nürnberger Spielwarenmesse. „Bei dieser Bandbreite ist es ganz schön, sich in Essen mal nur auf einen Programmbereich fokussieren zu können.“
Zusammen statt gegeneinander
Einige Trends kann man in der Spielebranche dann doch ausmachen. Zum einen sind es vor allem neue technische Möglichkeiten, die das Spielgeschehen erweitern. So binden immer mehr Spiele auch Apps und andere digitale Möglichkeiten mit ein. Tutorials per App statt langer und komplizierter Anleitungen erleichtern oft den Einstieg in ein neues Brettspiel.
Außerdem nimmt die Anzahl der kooperativen Spiele immer mehr zu. Dabei geht es dann gar nicht darum gegeneinander zu spielen, sondern das Miteinander rückt in den Mittelpunkt. Wir gegen das Spiel, sozusagen. Gemeinsam löst man Rätsel, baut Welten oder gestaltet Geschichten. Ideal also, um für die Winter- und Weihnachtszeit zusammenzukommen und Gemeinschaft zu erleben.
Spiele-Tipps
Die Vielfalt an Spielen ist unendlich groß. Manche Spiele lassen sich in wenigen Minuten erlernen, perfekt für spontane Runden. Andere erfordern Zeit und Strategie, sorgen aber für tiefere Einblicke und langanhaltenden Spielspaß. Hier einige Tipps für spontane Anlässe oder längere Spieleabende.
Experten-Tipp: Bomb Busters
Die Jury hat das kooperative Bombenentschärfen mit Köpfchen „Bomb Busters“ von Hisashi Hayashi zum Spiel des Jahres 2025 gekürt. In der Begründung der Jury heißt es: „In „Bomb Busters“ wachsen wir mit den Aufgaben. Schritt für Schritt erlernen wir das ABC des Bombenentschärfens. Dabei leiten wir mit Logik und einer Prise Interaktion die richtigen Zahlenpaare her. Der besondere Comic-Look gibt dabei dem bedrohlichen Thema die notwendige Leichtigkeit. Das schweißt uns als Team zusammen und wir können uns später an vielfältigen Missionen versuchen, die bisherige Denkmuster über den Haufen werfen.“
Ein Klassiker:
Carcassonne
Bereits 2001 gewann Carcassonne den Kritikerpreis beim Spiel des Jahres, doch von seinem Spielspaß hat es nichts verloren. Spieler erstellen mittels quadratischer Kärtchen bzw. Plättchen gemeinsam eine Landkarte. Am Ende gewinnt, wer dadurch für sich die meisten Punkte ergattern konnte. Die Regeln sind recht schnell durchschaut und auch Familien mit Kindern ab 8 Jahren können schnell einstiegen. Durch die große Beliebtheit des Spiels gibt es mittlerweile zahlreiche Erweiterungen und Editionen.
Diesmal gemeinsam: Dorfromantik
Carcassonne- und Catan-Fans erkennen vielleicht das eine oder andere Spielelement wieder. Auch hier gilt es mit Legeplättchen eine Landschaft aus Wäldern, Feldern und Dörfern entstehen zu lassen und dabei Punkte zu sammeln. Aber hier gilt: Man wächst mit jeder Aufgabe. Denn je nach Erfolg wird für kommende Partien weiteres Material freigeschaltet. Die Aufgaben werden also immer kniffliger. Zudem wird hier „kooperativ“, also gemeinsam gespielt. Ebenfalls ein schönes Spiel für Familien.
Party-Spiel: Top Ten
„Top Ten“ ist ein schneller und kreativer Spielspaß, denn ungewöhnliche Antworten sind hier gefragt. Und diese müssen zu der eigenen Zahl auf einer Skala von 1 bis 10 passen. Lustige Szenarien kitzeln ungeahnt kreative Ideen heraus und es gibt in netter Runde auf jeden Fall viel zu lachen.
Ideal für Musikfans: Hitster
Der Hit für Musikfans. Bei Hitster geht es darum, bekannte Hits in die chronologisch richtige Reihenfolge zu bringen. Sonderregeln – zum Beispiel, wer kennt dazu Titel und Interpret? – können für zusätzlichen Spaß sorgen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Editionen, wie Schlagerparty, Christmas oder Movies & TV – so ist für jeden Musikgeschmack etwas dabei.
Klein, aber fein: The Mind
Das Spiel muss man nicht lange erklären. Es gibt Karten mit den Nummer 1 bis 100. Jeder Mitspieler erhält zunächst eine Karte und Spielziel ist es, diese ohne zu sprechen in der richtigen Reihenfolge von 1 bis 100 abzulegen. Mit jeder Runde kommt eine Karte pro Person hinzu. Das klingt simple, ist es auch – aber es macht süchtig.
Schnelle Reaktion gefragt:
Size Matters
Das lustige Familienspiel – für alle ab 6 Jahren – „Size Matters!“ bringt Tempo auf den Spieltisch: Wer blitzschnell erkennt, welches Motiv die richtige Größe hat, schnappt sich den Punkt. Gesucht wird mal der größte, mal der zweitkleinste oder der kleinste Gegenstand – immer anders, immer spannend.
Sammelkarten für Einsteiger
So kann man einstiegen: „Mein erstes Spiel“ eröffnet mit Mini-Decks und vereinfachten Regeln bereits Kindern ab 6 Jahren die Welt der Pokémon. Ebenfalls beim Einstieg in die TCG-Welt helfen kann die „Kampfakademie“ von Pokémon als Brettspiel. Das Paket enthält alles, was zwei Spieler zum Spielen brauchen, unter anderem Spielanleitungen für die Decks, Schadensmarken und ein Spielbrett, sodass die ersten Matches leicht überschaubar sind.

