Mit dem Frühling kehren Bienen, Hummeln und Hornissen zurück – doch eine invasive Art bereitet Imkern zunehmend Sorgen. Wie gefährlich die Asiatische Hornisse ist und was jetzt zu tun ist, hat erlebe Kempen von Imker Heinz Nieskens erfahren.
• Ulrike Gerards
Es summt wieder hierzulande. Mit dem Frühling nimmt die Insektensaison 2026 Fahrt auf. Bei mildem Frühlingswetter lassen sich neben Schmetterlingen wie Admiral und Zitronenfalter auch immer mehr Bienen, Hummeln und Wespen beobachten. Bei den meisten staatenbildenden Arten haben nur die Königinnen die kalte Jahreszeit überstanden. Das gilt auch für unsere größten Wespen, die Hornissen.
Der Naturschutzbund NABU berichtet Anfang März, dass die Hornissensaison begonnen habe und die ersten Königinnen fliegen. Über das Beobachtungsportal NABU-naturgucker.de seien dabei deutlich häufiger Asiatische als Europäische Hornissen gemeldet worden. Und das ist für die heimischen Insekten eine echte Gefahr, weiß der Kempener Imker Heinz Nieskens: Ein einziges Nest der Asiatischen Hornisse (Vespa velutina) kann im Laufe einer Saison etwa 11 bis 20 Kilogramm Insekten vertilgen – und das sind nicht nur Bienen.
Im vergangenen Jahr hatte Heinz Nieskens die Eindringlinge erstmals auch im eigenen Garten – und hatte alle Hände voll zu tun, um seine Bienen zu schützen. Dabei konnte er das Problem auch mit Hilfe aus der Nachbarschaft deutlich eindämmen. „Ich habe Flugblätter verteilt, in denen ich auf das Thema aufmerksam gemacht habe.“ Und siehe da: Zwei Nester der Vespa velutina in unmittelbarer Nähe konnte er ausfindig machen und zerstören. Danach wurde es deutlich ruhiger vor seinen Bienenstöcken.
Insgesamt hat Heinz Nieskens zusammen mit Imkerkollegen im vergangenen Jahr 16 Nester der Asiatischen Hornisse beseitigt.
Ein Nest gesichtet – was nun?
Zunächst sollte man sicherstellen, dass es sich wirklich um eine Asiatische Hornisse handelt. „Wir als Imker können die Arten schnell unterscheiden“, so Heinz Nieskens. Vespa velutina ist etwas kleiner als die Europäische Hornisse und durch ihren dunkleren Körper sowie die gelben Füße leicht von der rotbraun-gelben heimischen Art zu unterscheiden.
Die Staaten der Asiatischen Hornisse sind deutlich größer und umfassen bis zu 2.000 Tiere, die der heimischen Hornisse bis zu 700 Individuen. Vespa velutina baut ihre Gründungsnester an ähnlichen Orten wie heimische soziale Wespen, zum Beispiel in Schuppen oder Rollladenkästen. „Diese sogenannten Primärnester sind noch recht klein und können von uns problemlos entfernt werden“, so Heinz Nieskens. Dafür ist noch keine große Schutzkleidung notwendig. Daher appelliert er an die Kempenerinnen und Kempener, jetzt im Frühling die Augen nach diesen Nestern offenzuhalten. Sie können sich überall verstecken – auch in einem Igelhaus oder einem Stromkasten hat er bereits welche entfernt.
Der Staat zieht im Hochsommer um und baut sein sogenanntes Sekundärnest häufig in Baumwipfeln. Oft werden diese Nester erst bemerkt, wenn die Bäume im Herbst kahler werden. Zudem sind sie äußerst schwer zu entfernen. Die Nester sind sehr groß und befinden sich oft in großer Höhe. Nähert man sich ihnen auf zwei Meter oder weniger, reagieren die Hornissen häufig aggressiv. Der Imkerverein Kempen hat spezielle Teleskop-Lanzen angeschafft, mit denen man die Nester entfernen kann. Doch oft werden sie erst im Herbst entdeckt – dann macht das Entfernen keinen Sinn mehr.
Bisher besiedelt die Asiatische Hornisse erst rund ein Drittel des Bundesgebietes, so der NABU. Dennoch ist sie seit März 2025 offiziell eine etablierte Art. Das ist deshalb von Bedeutung, weil für Vespa velutina in Deutschland nicht mehr die gesetzlichen Vorgaben zur Früherkennung und Verhinderung der Ausbreitung gelten. Stattdessen greifen Maßnahmen zum Management einer etablierten Art. Der größte Unterschied: Die Bekämpfungspflicht der Naturschutzbehörden entfällt.
Auch der NABU appelliert, die Ausbreitung einzudämmen – allerdings mit Vorsicht. Denn auch die heimische, besonders geschützte Europäische Hornisse gerät zunehmend in Gefahr, da viele Bürgerinnen und Bürger die beiden Arten nicht auseinanderhalten können und die Tiere töten.
Auch die heimischen Imker haben ein Interesse daran, die Asiatische Hornisse einzudämmen, und werden selbst aktiv. Wer ein solches Nest sichtet, kann sich bei den Imkern melden, um es entfernen zu lassen. Kontaktdaten gibt es unter imker-kempen.de.
Der NABU ruft zudem dazu auf, Sichtungen über die Meldeplattform des jeweiligen Bundeslandes und über nabu-naturgucker-beobachtungen.de zu melden.
Experten sind sich einig, dass wir diese neue Art wohl nicht mehr gänzlich loswerden. Doch schon die Eindämmung hilft. Heinz Nieskens hat zusätzliche Vorkehrungen getroffen und Drahtkörbe an den Eingängen der Bienenstöcke angebracht, die die Völker vor den großen Eindringlingen schützen.
Ein schönes Hobby mit immer mehr Fans
Asiatische Hornisse, Varroamilbe, weniger Lebensraum für Bienen – Imker haben es zurzeit nicht leicht. Dennoch steigt die Zahl der Bienenbegeisterten in den letzten Jahren stetig an, berichtet das NRW-Landwirtschaftsministerium. Mittlerweile gibt es in Nordrhein-Westfalen über 11.000 Imkerinnen und Imker. Auch die Zahl der Bienenvölker wächst weiter. Die meisten betreiben die Imkerei als Hobby und verkaufen den Honig im Nebenerwerb meist direkt an Verbraucherinnen und Verbraucher.
Auch in Kempen gibt es eine aktive Szene. In Gärten und an Feldern in und um Kempen sieht man die markanten Kästen, die die Völker beherbergen. 38 Mitglieder hat der Imkerverein, der sich im März zu seiner Jahreshauptversammlung getroffen hat und dessen 2. Vorsitzender Heinz Nieskens ist. Jung und Alt kommen hier zusammen. Wer die Augen offen hält, stößt im Stadtbild immer wieder auf die Kästen, in denen es geschäftig zugeht. An der Hecke von Heinz Nieskens an der Von-Saarwerden-Straße können große und kleine Bienenfreunde einen Blick auf die Bienenvölker im Garten werfen. Außerdem ist er regelmäßig in Schulen und Kitas unterwegs, um Kindern die Bienen, ihre Besonderheiten und ihre große Bedeutung für die Bestäubung von Pflanzen und damit für unsere Lebensmittelproduktion zu vermitteln.
„Das ist ein schönes Hobby“, sagt Heinz Nieskens, der vor acht Jahren damit begonnen hat, als er in den Ruhestand ging. Zehn Völker hat er mittlerweile – und die halten ihn auf Trab. Längere Urlaube machen er und seine Frau eher in den Wintermonaten. Im Frühling und Sommer ist es kaum möglich, länger als eine Woche weg zu sein. Es gibt immer viel zu tun.
Wer Interesse an diesem Hobby hat, ist im Imkerverein willkommen. Auf der Homepage finden sich auch Informationen dazu, welche Grundausstattung benötigt wird. Wichtig ist vor allem, den richtigen Umgang mit den Bienen zu erlernen – ein vorheriger Imkerkurs ist daher unumgänglich.
Honig aus der Region
Das vergangene Jahr war ein sehr gutes Honigjahr. Wie die Ausbeute in diesem Jahr wird, ist noch nicht abzusehen. Nach einigen schönen Tagen im März folgte schnell wieder Ernüchterung mit Regen – doch das ändert sich zurzeit noch rasch.
Der Imkerverein kann den Verzehr von Honig aus der heimischen Region nur empfehlen: Diese könne Allergien positiv beeinflussen, da die im Honig enthaltenen Pollen das Immunsystem mit den Allergenen vertraut machen und allergische Reaktionen abgeschwächt werden können. Honig sei somit ein das Immunsystem stärkendes und gesundheitsförderndes Lebensmittel. Im regionalen Honig befinde sich in geringer Menge die in der jeweiligen Gegend vorkommenden Pollen, die für eine Desensibilisierung wichtig sind.
Auf der Homepage imker-kempen.de finden sich Anbieter, die sich freuen, „die süßen Schätze unserer Region“ zu verkaufen und gerne kontaktiert werden können. Zudem gibt es regelmäßig Stände in der Altstadt – montags auf der Engerstraße, freitags auf der Judenstraße.
Übrigens helfen die Kempener Imker auch, wenn ein Bienenschwarm gesichtet wird. Zunächst geben sie Entwarnung: Ein Bienenschwarm ist ein friedliches, faszinierendes Naturereignis. Er entsteht, wenn sich ein Bienenvolk teilt und eine zweite Behausung benötigt. Auf der Suche danach bewegen sich die Bienen als Schwarm durch die Luft oder hängen als Traube an einem Ast oder ähnlichem. Den Proviant für diese Reise tragen die Arbeiterinnen mit sich. So beladen fällt ihnen das Stechen schwer. Außerdem gibt es für den Schwarm nichts zu verteidigen, solange man ihn in Ruhe lässt. Man kann das Schauspiel also entspannt aus sicherer Entfernung beobachten. Damit sich der Schwarm nicht dauerhaft in der Umgebung niederlässt, kann über ein Formular auf der Homepage ein Imker aus Kempen benachrichtigt werden, der den Schwarm einfängt und ihm ein neues Zuhause bietet.
Hintergründe zur Asiatischen Hornisse
Die Asiatische Hornisse wurde vom Menschen nach Frankreich eingeschleppt, von wo sie sich in die Nachbarländer ausbreitet. In Deutschland erfolgt die Besiedlung von Westen nach Osten und von Süden nach Norden, wobei die östlichen Bundesländer noch weitgehend Vespa-
velutina-frei sind. Mit einer weiteren Ausbreitung ist zu rechnen. Wer dachte, der knackige Winter würde der invasiven Art zusetzen, sieht sich getäuscht, so der NABU. „In ihrer asiatischen Heimat kommt Vespa velutina vor allem im Gebirge vor, sie kann daher mit Kälte umgehen und begibt sich rechtzeitig in gesicherte Verstecke“, erläutert NABU-Sprecher Helge May.
Die Flugzeit der Asiatischen Hornisse dauert grundsätzlich länger als die der Europäischen. Europäische Hornissen ziehen sich im Laufe des Oktobers in die Winterquartiere zurück, während viele Asiatische Hornissen auch den ganzen November über aktiv sind. Im Frühjahr legen die Asiatinnen dann schon ab März los, die Europäerinnen bleiben etwa einen Monat länger im Versteck. „Einzelne Bildbelege von Königinnen der Europäischen Hornisse bereits Ende Februar und Anfang März von der Mosel und aus der Niederrheinischen Bucht sind spannend, aber die sprichwörtlichen Ausnahmen, die die Regel bestätigen“, so May.
Zu Saisonbeginn sind die befruchteten Königinnen beider Arten zunächst auf der Suche nach einem geeigneten Neststandort. Die Vorjahresnester werden nicht mehr bezogen. Während Europäische Hornissen ein Nest bauen und immer mehr erweitern, errichten Asiatische Hornissen im Frühjahr ein sogenanntes Primärnest und im Sommer ein neues, größeres Nest. Das Primärnest wird eher niedrig angebracht, die Sommernester entstehen hoch oben in Baumkronen. Die Tiere ernähren sich vor allem von Baumsäften, Nektar und Obst, an die Larven wird eiweißreiche Nahrung in Form erbeuteter Insekten verfüttert.
Beobachtungen beider Arten – möglichst mit Foto – können unter www.NABU.de/Vespavelutina gemeldet werden.
Mehr erfahren zu den Bienen
Imkerverein Kempen
Der Imkerverein Kempen bietet Lernbeute und Schaukasten für Besuche in Kindergärten, Schulen und anderen Einrichtungen sowie aktuelle Lehr-, Lern- und Anschauungsmaterialien. So erfahren die Kinder allerlei Interessantes über das Leben der Bienen, über ihre Besonderheiten und ihre große Bedeutung für die Bestäubung von Pflanzen und damit für unsere Lebensmittelproduktion. Kontaktmöglichkeiten: imker-kempen.de
Vorträge im Haus Püllen
Mit der Einrichtung eines Bienenstocks im Bauerngarten des Naturparkzentrums Wachtendonk hat der Naturpark Schwalm-Nette das Projekt „Naturpark-Bienen-Entdecker“ aufgegriffen. Dort stehen auch immer wieder Veranstaltungen zum Thema an. Am Mittwoch, 29. April, 15.30 bis 17 Uhr berichtet Claudia Terporten vom „Leben der Honigbiene“, ein Bienen-Vortrag mit Besichtigung der Bienenstöcke für die ganze Familie. Gemeinsam mit der Imkerin lernen die Teilnehmenden die gesamte Bienenfamilie kennen und erfahren, warum „das fleißige Bienchen“ seinen Namen zu recht verdient. Mit Imkerschutzausrüstung für die Kleinen und Imkerschutzhüten für die Großen beobachtet man die Bienen im Bauerngarten im Haus Püllen an der Feldstraße 35 in Wachtendonk aus nächster Nähe. Die gleiche Veranstaltung steht zudem auch am 22. Mai auf dem Programm. Für beide Veranstaltungen ist eine Anmeldung erforderlich unter Telefonnummer 02162 81709-430.
Bienenhaus im Niederrheinischen Freilichtmuseum
Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath vermittelt der Bienenzuchtverein Oedt und Umgebung in seinem Lehrbienenhaus aus dem Jahr 1963 Wissen rund um die Imkerei und die Biologie der Honigbiene. In den Monaten von April bis Juli geben die Imker samstags von 10 bis 12 Uhr vor Ort Auskunft zu ihrer Arbeit mit der Honigbiene. Ihr Honig ist im Tante-Emma-Laden des Museums erhältlich. Vormerken kann man sich schon einmal den 31. Mai ab 10 Uhr: Dann ist wieder „Tag der Honigbiene“ mit Schleuderung des Honigs, vielen Informationen sowie Verkauf von Produkten der Imkerei.
Bienenmuseum in Duisburg
Das Bienenmuseum in Duisburg Rumeln-Kaldenhausen ist sowohl Begegnungsstätte der Duisburger Imkerschaft als auch ein musealer Ort zur Geschichte der Imkerei, zur Bienenbiologie und zur Biodiversität. Dort finden Kurse und Seminare statt, gibt es thematische Führungen für Gruppen und mehr. Jeden Samstag von 15 bis 18 Uhr ist das Bienenmuseum für Besucher geöffnet. 2018 wurde ein Garten mit Lehrbienenstand neu angelegt. Eintrittspreise Erwachsene: 2,50 €, Kinder: 1 €. Alle Infos unter: bienenmuseumduisburg.de

