Mit geschultem Tastsinn für die Brustgesundheit

Mit ihrem geschulten Tastsinn unterstützt die sehbehinderte Heike Hertrampf die Brustvorsorge – als Medizinisch-Taktile Untersucherin in einer Kempener Praxis.

Heike Hertrampf lebt mit einer fortschreitenden Netzhaut-Degeneration und hat heute nur noch einen sehr eingeschränkten Tunnelblick. Die Farbpigmente ihrer Netzhaut sind abgestorben und vernarbt, langfristig kann die Erkrankung zu einer vollständigen Erblindung führen. Nach der Diagnose vor zwölf Jahren musste die gelernte Polsterin ihren damaligen Beruf wegen der langen Fahrten zur Arbeitsstelle aufgeben. Einen neuen beruflichen Weg fand sie als Medizinisch-Taktile Untersucherin (MTU) – ein Tätigkeitsfeld, das speziell für blinde und stark sehbehinderte Menschen entwickelt wurde.

Bei der taktilen Brustuntersuchung setzt Heike Hertrampf ihren besonders geschulten Tastsinn ein. „Meine Oma hatte Brustkrebs, deshalb weiß ich, wie wichtig die Früherkennung von Brustkrebs ist“, sagt die 43-Jährige.

Die Taktilographie ist eine ergänzende Methode der Brustvorsorge. Studien weisen darauf hin, dass Medizinisch-Taktile Untersucherinnen durch eine spezielle Ausbildung und eine ausführliche Tastuntersuchung mehr und kleinere tastbare Gewebeveränderungen erkennen können als eine herkömmliche ärztliche Tastuntersuchung. Nicht jede Auffälligkeit ist dabei ein Hinweis auf Krebs – viele Veränderungen sind gutartig. Werden bösartige Tumoren früh erkannt, sind die Behandlungsmöglichkeiten häufig schonender und die Heilungschancen in vielen Fällen gut.

In der gynäkologischen Privatpraxis Kempen an der Schorndorfer Straße, die mit dem Sozialunternehmen discovering hands zusammenarbeitet, bietet Heike Hertrampf montagsvormittags taktile Brustuntersuchungen an. 

Eine ergänzende Untersuchung mit besonderem Konzept

Das Mülheimer Sozialunternehmen discovering hands hat die Ausbildung zur Medizinisch-Taktilen Untersucherin entwickelt. Erste Studien deuten darauf hin, dass MTU tastbare Gewebeveränderungen entdecken können; weitere Forschung – unter anderem in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin und mit Unterstützung des Bundesgesundheitsministeriums – untersucht die diagnostische Aussagekraft der Methode. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von einer noch schwachen wissenschaftlichen Beweislage. Die Ergebnisse der neuen Untersuchung sollen nun zur Verbesserung der Datenlage für die diagnostische Zuverlässigkeit der Tastuntersuchung durch MTU beitragen. 

Für die Untersuchung nimmt sich die MTU zwischen 30 und 60 Minuten Zeit. Während der Untersuchung haben die Patientinnen außerdem die Gelegenheit, Fragen rund um ihre Brustgesundheit zu stellen.

Infos

Das Angebot richtet sich an Frauen jeden Alters; eine Behandlung in der Praxis oder eine private Krankenversicherung sind dafür keine Voraussetzung. Die Kosten werden von zahlreichen gesetzlichen Krankenkassen sowie privaten Krankenversicherungen ganz oder teilweise übernommen. Frauen, deren Krankenkasse die Leistung nicht erstattet, sowie Männer mit erhöhtem Brustkrebsrisiko können die Untersuchung als individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) in Anspruch nehmen.

Kontakt: Privat Praxis Kempen, Dr. med Tessa Schmidt, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Schorndorfer Straße 17, 47906 Kempen, Tel. 02152 8986268. E-Mail: empfang@frauenaerztin-kempen.de, frauenaerztin-kempen.de

Weitere Praxen mit MTU findet man unter: www.discovering-hands.de/praxisfinder

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