Es ist ein riesiges Event, das sich im knapp 40 Kilometer entfernten Neuss abspielt. Und einige Kempenerinnen und Kempener haben dort besondere Einblicke. Erlebe Kempen hat sich einmal umgehört und zusammengestellt, warum sich ein Besuch dort lohnen könnte.
Es ist schon ein paar Jahre her, da war der Kreis Viersen im Landesgartenschau-Fieber. Grund war die Bewerbung der Gemeinde Grefrath gemeinsam mit den anderen Kommunen im Kreis Viersen für die LaGa 2026. Kernstück sollte der Grefrather Schwingbodenpark samt Umfeld sein. Gleichzeitig sollte Grefrath als Dirigent eines „kreisweiten Orchesters“ fungieren. In allen neun Städten und Gemeinden waren Projekte geplant. In Kempen war vor allem die Aufwertung des Grüngürtels im Gespräch. Dazu sollten unter anderem das Radwegenetz und Mobilitätsknotenpunkte ausgebaut werden. Die Gemeinde war als kleinster Ort neben den Mitbewerbern Neuss und Warendorf als Außenseiter ins Rennen gegangen. Und das Wunder blieb aus. Die Jury entschied sich für Neuss.
Leistungsschau des Gartenbaus
Nicht weit entfernt und damit nicht nur ein attraktives Ausflugsziel, sondern auch ein spannendes Betätigungsfeld für Kempenerinnen und Kempener. So wie Eva Kähler-Theuerkauf, die seit zehn Jahren als Präsidentin den Landesverband Gartenbau NRW führt und in dieser Funktion viele Gartenschauen kennt. Sie spricht von einem außergewöhnlichen Projekt, das Natur, Freizeit, Stadtentwicklung und Nachhaltigkeit verbinde. Besonders die Dimension der Schau mit rund 38 Hektar Fläche und die Entwicklung eines völlig neuen Stadtquartiers hätten sie beeindruckt. „Das ist Wahnsinn, was dort für die Zukunft entsteht“, sagt sie. Die Landesgartenschau schaffe bleibende Werte für die Stadt und werde zugleich zu einem attraktiven Treffpunkt für Menschen jeden Alters. Spielplätze, Wasserflächen, Liegebereiche, inklusive Angebote und Formate wie ein vergünstigtes Abendticket sorgten dafür, dass die Anlage intensiv genutzt werde. „Das ist ein Konzept, das wirklich jeden mitnimmt“, beschreibt Kähler-Theuerkauf die besondere Atmosphäre.
Zugleich sieht sie in der Landesgartenschau natürlich eine wichtige Leistungsschau für den Gartenbau. Zahlreiche Bereiche der grünen Branche, Baumschulen, Zierpflanzenbauer, Garten- und Landschaftsbauer, Friedhofsgärtner und viele mehr, präsentieren sich in Neuss teils mit wechselnden Bepflanzungen, kreativen Gestaltungsideen und praktischer Beratung. Es gibt immer etwas Neues zu sehen, gerade wird von Frühlings- auf Sommerbepflanzung umgestellt. Besucher könnten sich von Fachleuten inspirieren lassen und konkrete Ideen für den eigenen Garten oder Balkon mitnehmen. „Die Menschen kommen auch mit ihren ganz konkreten Fragen und zeigen dann schon mal auf dem Handy, wie es bei ihnen zu Hause aussieht und holen sich Tipps“, erzählt Eva Kähler-Theuerkauf. Gerade in Zeiten, in denen Themen wie Nachhaltigkeit, Aufenthaltsqualität und Klimaanpassung wichtiger werden, gewinnt die Branche an Bedeutung. Die Landesgartenschau verstehe sich deshalb auch als Impulsgeber: „Wir möchten die Menschen mehr mitnehmen“, betont Kähler-Theuerkauf. Schon kleine Beiträge wie bepflanzte Balkone oder mehr Grün im eigenen Umfeld könnten einen Unterschied machen in Sachen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Biodiversität.
Mit Blick auf die gescheiterte Bewerbung von Grefrath und dem Kreis Viersen macht Eva Kähler-Theuerkauf deutlich, dass es vor allem am dezentralen Ansatz gelegen habe. Eine Landesgartenschau müsse für Besucher möglichst kompakt und unkompliziert erlebbar sein. Gleichzeitig betont sie, dass keineswegs nur Großstädte zum Zuge kommen. Neuss sei eher die Ausnahme. Gerade kleinere Städte und ländliche Regionen hätten weiterhin gute Chancen, wie nun die Stadt Kleve zeigt, die für 2029 den Zuschlag bekommen hat. Landesgartenschauen könnten wichtige Impulse für Infrastruktur, Tourismus und Lebensqualität geben.
Eine Expertin für Gartenschauen
Im Auftrag der Landesgartenschau Neuss 2026 arbeitet ebenfalls eine Kempenerin: Die Landschaftsarchitektin und Fachjournalistin Imma Schmidt unterstützt die Pressearbeit für die Fachmedien – und bringt dabei jahrzehntelange Erfahrung mit. „Das ist jetzt meine sechste Gartenschau, für die ich Pressearbeit mache“, erzählt sie. Seit Ende der 1980er Jahre berichtet sie über Gartenschauen, Pressesprecherin war sie seit 2009 bei fünf Landesgartenschauen, zuletzt in Kamp-Lintfort 2019/2020.
Stationen im Grünflächenamt der Stadt Kempen, in Planungsbüros und Projektentwicklung, zum Beispiel von Schloss Dyck, gehören zu ihrer Vita. 1991 machte sie sich als Fachjournalistin selbstständig. „Ich komme aus der Landschafts- und nicht aus der Gartenplanung“, sagt Schmidt. Ihr Schwerpunkt lag beim Natur- und Biotopschutz, später kamen die Historischen Gärten und die Gartenschauen dazu. Auch deshalb begeistert sie das Neusser Gelände: „Das ist ein toller, innenstadtnaher Park, dem man jetzt schon ansieht, dass er ein echter Bürgerpark werden kann.“ Vor allem die offenen Wiesen, gerahmt von Baumhainen und die Sandflächen der ehemaligen Galopprennbahn mit den neu entstandenen Dünenbiotopen mache das Areal ökologisch zu etwas Besonderem.
Gleichzeitig sei die Landesgartenschau ein Ort für alle Generationen. Besonders angetan zeigt sich Imma Schmidt von den inklusiven Spiel- und Bewegungsflächen: „Ich war neulich mit meinem Enkel Henry dort – wir sind von einem Spielplatz zum nächsten gezogen.“ Auch als älterer Mensch habe sie sich auf den barrierearmen Flächen jederzeit sicher gefühlt. Für sie ist der neue Park deshalb weit mehr als ein Ausstellungsgelände: „Das ist ein Geschenk an die Stadtgesellschaft.“ Besonders charmant sei ein Besuch am späten Nachmittag oder Abend: „Wenn die Sonne untergeht und man Richtung Westen über das Gelände schaut – das ist großartig.“
Die Vielfalt an Sport- und Freizeitmöglichkeiten ist groß. Auf 2.000 Quadratmetern entstanden drei neue Kinderspielplätze für alle Kinder – mit den Themen „Römerlager“, „Kaninchenbau“ und „Rennbahntag“. Hinzu kommen Spiel-, Sport- und Aktionsflächen auf mehr als 16.000 Quadratmetern mit Angeboten für Fußball, Streetball, Beachvolleyball, Calisthenics, Laufen, Skaten und Dirt-Track.
Gartenidee aus Kempen
Auch der Kempener Landschaftsarchitekt Burkhard Damm hat einen Beitrag geleistet und einen der sechs exklusiven „Wohlfühlgärten“ entworfen. Sein Schaugarten trägt den Namen „Kreislauf“ und wurde gemeinsam mit der Ralf Cremers Grüngestaltung & Landschaftsbau aus Grevenbroich realisiert. „Kreislauf“ steht bei diesem 450 Quadratmeter großen Garten für die bewusste Verwendung gebrauchter und recycelter Materialien. Der Garten sollen zeigen, dass Nachhaltigkeit und Gestaltung kein Widerspruch sind. Die Wege sind aus gebrochenen Dachziegeln, die Mulchdecke aus geschreddertem und schadstoffgeprüftem Asphalt, die Felsen aus Abfall-Betonbrocken. Stampflehmwände mit Beimengungen von fein gemahlenen Ziegeln sowie Ortbeton mit Stützkorn aus Ziegel und Asphalt sind weitere Elemente. Die abwechslungsreiche Bepflanzung wird langfristig ohne zusätzliche Wassergaben auskommen.
Bis zum 11. Oktober gibt es in Neuss also einiges zu entdecken. Das Herzstück bildet die ehemalige Galopprennbahn. Die Landesgartenschau nutzt das Gelände, um dauerhaft einen neuen Bürgerpark zwischen Innenstadt und Rhein zu schaffen. Umgesetzt wurde das Konzept „Spuren der Zukunft“ des Landschaftsarchitekten Franz Reschke. Ziel ist nicht nur eine temporäre Ausstellung, sondern eine langfristige städtebauliche Aufwertung des gesamten Neusser Ostens. Große Teile der bestehenden Strukturen – Wege, Gehölze, Teiche und sogar Relikte der Rennbahn – blieben dafür erhalten und wurden weiterentwickelt. Außerdem wurden rund 2.200 neue Bäume gepflanzt und zahlreiche ökologische Lebensräume geschaffen. Die Landschaftsarchitekten betonen: „Der Park wird so zu einem reichhaltigen Ökosystem, in dem alles und jeder seinen Platz hat.“
Buntes Veranstaltungsprogramm
Einige markante Elemente wie die alte Sandbahn und die Richtertürme wurden in den neuen Park integriert. Eines der Highlights auf dem neu entstandenen Gelände ist ein kleiner künstlicher See mit einer Promenade und Liegestühlen, die besonders bei gutem Wetter stark gefragt sind. Blumen, Stauden, Rosengarten und Wiesensaaten, regelmäßig wechselnde Themen in den Blumenhallen sowie mehr als 1.000 Veranstaltungen bieten eine enorme Vielfalt von Kultur und Unterhaltung bis hin zu Information. Neuss ist zudem bekannt für sein großes Schützenfest, das im Rahmen der Landesgartenschau natürlich nicht fehlen darf.
Das Interesse ist bereits groß – und wo viele Menschen zusammenkommen, bleibt auch Kritik nicht aus. Einige Besucher wünschen sich mehr Blütenpracht, größere Gartenvielfalt oder weitläufigere Staudenflächen. Doch die Stärke der Schau liegt eher in der Mischung aus Natur, Bewegung, Freizeit und Familienangeboten, die alle Generationen anspricht.
Infos zum Besuch
Die Landesgartenschau in Neuss ist noch bis zum 11. Oktober 2026 zu sehen. Die Kernöffnungszeiten sind täglich, auch an Feiertagen, von 10 bis 18 Uhr. In diesem Zeitraum sind Programm, Servicebereiche und Gastronomie geöffnet. Früh- und Spätzugang sind auch von 7 bis 10 Uhr sowie 18 bis 22 Uhr möglich. Ideal zum Beispiel für einen Spaziergang abseits des Trubels. Der letzte Einlass ist um 21:30 Uhr.
Eine Tageskarte kostet 20 €, -ermäßigt 10 €.
Alle Infos online:
www.landesgartenschau-neuss.de
© Foto: Markus van Offern

