Der Kempener Badverein löst sich auf – und hinterlässt 70.000 Euro für den St. Annenhof. Eine Geschichte über ein besonderes Bad, viel Engagement und einen ehemaligen Nikolaus, der den Weg zum Kinderheim schon lange kennt.
Ein bisschen Wehmut ist dabei. Schließlich hat der Badverein einmal mit viel Engagement dafür gekämpft, dass im Kempener Krankenhaus geschwommen, gebadet und geplanscht werden konnte. Das kleine Bewegungsbad im Kellergeschoss war etwas Besonderes: 31 Grad warm, mit höhenverstellbarem Boden und damit geeignet für ganz unterschiedliche Angebote – vom Babyschwimmen bis zur therapeutischen Wassergymnastik. Davon schwärmen die Aktiven im Badverein-Vorstand noch heute.
Doch das Bad ist längst Geschichte. Das Krankenhaus kündigte den Nutzungsvertrag, der Verein verlor damit seine Aufgabe. Seit einigen Jahren liegt das Vereinsleben deshalb auf Eis. Nun wird der Badverein endgültig aufgelöst. Was von seinem Engagement bleibt, passt ausgesprochen gut zu einem Ort, den der 2. Vorsitzende Walter Simon seit Jahren gut kennt: dem Kinderheim St. Annenhof.
70.000 Euro stehen auf dem Scheck, den Walter Simon gemeinsam mit dem Vorsitzenden Heino Breuning und Kassierer Horst Leygraf jetzt an den St. Annenhof überreicht hat. Eine stattliche Summe – und keine spontane Entscheidung. Schon bei der Gründung des Vereins wurde in der Satzung festgelegt, dass das Vereinsvermögen bei einer Auflösung dem St. Annenhof zugutekommen soll. Die Summe fiel jedoch keinesfalls vom Himmel. Der Verein brauchte bei seiner Gründung Geld, um Rücklagen für etwaige Reparaturen am Bad zu schaffen. Dafür ging Walter Simon ordentlich „Klinkenputzen“, unter anderem bei vielen Kempener Unternehmen. Nicht immer eine leichte Aufgabe. Gebraucht wurden die Mittel dann nicht. Der Vorstand erinnert sich an eine größere Reparatur, für die das Hospital einsprang.
Für Walter Simon ist der Spendenzweck eine Herzensangelegenheit. Er war nicht nur Vorstandsmitglied des Badvereins, sondern schlüpfte für den St. Annenhof auch viele Male in die Rolle des Nikolaus. Er kennt die Einrichtung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und vor allem die besondere Atmosphäre des Hauses. „Das war immer ganz wunderbar“, erinnert er sich.
102 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 21 Jahren leben dort. Wofür die 70.000 Euro eingesetzt werden, steht noch nicht fest. Peter Fischer, Stefan van Eickels und Janine Kador vom Annenhof-Team waren bei der Übergabe von der Höhe der Summe mehr als überrascht. Eine solche Spendensumme habe er im Annenhof noch nicht erlebt, so Peter Fischer. Individuelle Förderungen, Freizeitaktivitäten, Neuanschaffungen – Ideen gibt es viele. Vielleicht schlägt man sogar noch eine kleine Brücke zum Wasser. Die Idee eines gemeinsamen Neujahrsschwimmens für alle im Annenhof steht im Raum. Noch ist nichts entschieden – aber schöner könnte die Verbindung kaum sein.

