Im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath ist die Ausstellung „Kaiser’s Kaffee Geschäft“ zu sehen. Erlebe Kempen hat einmal zusammengetragen, wo Kaiser’s früher in der Altstadt zu finden war.
Die lachende Kaffeekanne ist eine Ikone in der deutschen Wirtschaftsgeschichte – und sie kommt aus der Region. Die Geschichte des traditionsreichen Unternehmens Kaiser’s Kaffee begann damit, dass Josef Kaiser im Kolonialwarenladen seiner Eltern in Viersen-Hoser 1880 anfing, grüne Bohnen zu rösten. Damit legte er den Grundstein für ein Unternehmen, das bald weit über die Stadt hinaus bekannt wurde. Die Zahl der Filialen wuchs mit Beginn des 20. Jahrhunderts rasant: 1897 waren es 100, 1905 bereits 1.000 Filialen. Die Läden wurden nach einheitlichen Prinzipien gestaltet, Schaufenster gezielt für Werbung eingesetzt. Damit prägte Kaiser‘s das Stadtbild vieler deutscher Großstädte. Doch ab den 1990er Jahren setzte ein Niedergang ein: Discounter veränderten den Markt. Anfang 2017 endete die Geschichte der Marke: Die Filialen gingen an Edeka und Rewe, und mit dem Logo der lachenden Kaffeekanne verschwand ein vertrautes Stück deutscher Handelsgeschichte.
Aktuell ist eine Ausstellung zu Kaiser’s aus dem Kreisarchiv Viersen im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath zu sehen. Bis 14. Juni können Besucherinnen und Besucher im Goltziussaal der Dorenburg eine kleine Auswahl an Archivalien entdecken, die einen vielschichtigen Einblick in die Geschichte des Unternehmens bieten.
Standorte in der Kempener Altstadt
Auch in Kempener Altstadt hat Kaiser’s seine Spuren in der Geschichte hinterlassen. Nach dem Krieg war an der Peterstraße Nr. 39 eine Filiale der Firma. Zwischen 1953 und 1959 zog das Geschäft dann zur Engerstraße 46, wie man auf der Kempener Stadtgeschichts-Plattform kempedia.de nachlesen kann. Das Haus war immer eine „gute Adresse“ für lebhaftes Geschäftsleben, beherbergte unter anderem Möbel Tendyck und später das Kaufhaus Lamp. 1959 war laut Adressbuch hier die Filiale der Kaiser‘s Kaffee GmbH.
Für viele auch heute noch gut in Erinnerung ist der Kaiser’s Markt an der Engerstraße 21. Dort wo heute Kodi zu finden ist, war lange ein großer Lebensmittelmarkt von Schätzlein. Später zog die Firma Kaiser‘s in das große Ladenlokal und verließ am 15. August 2015 als letzter klassischer Lebensmittelmarkt die Innenstadt.
Auch die Schattenseiten beleuchtet
Die Ausstellung im Niederrheinischen Freilichtmuseum zeigt durchaus ein differenziertes Bild des Unternehmens: Sie beleuchtet den bemerkenswerten unternehmerischen Aufstieg von der kleinen Kaffeerösterei zum modernen Filialbetrieb mit innovativen Marketingstrategien, einer starken Marke und einer prägnanten Gestaltung.
Zugleich verschweigt die Ausstellung die Schattenseiten nicht. Thematisiert werden die Arbeitsbedingungen auf Plantagen und in Fabriken, die Kriegswirtschaft im Ersten Weltkrieg, die ideologische Gleichschaltung und die Zwangsarbeit während der NS-Zeit sowie wirtschaftliche Einbrüche im 20. Jahrhundert.
So entsteht ein facettenreicher Gesamtblick auf ein Unternehmen, das aber vielleicht für den einen oder die andere ebenso Gelegenheit für nostalgische Erinnerungen bietet.

