Bethlehem liegt gleich nebenan

Ein Stück Heiliges Land liegt fast vor der Haustür: Der Geschichts- und Museumsverein lädt im August zu einem Vortrag und einer Exkursion in die außergewöhnliche Kapelle Klein-Jerusalem nach Neersen ein.

Wer den Geist von Bethlehem erleben möchte, muss nicht zwangsläufig ins Heilige Land reisen. Ein kleiner Abstecher nach Neersen genügt. Gerade einmal rund 15 Kilometer von Kempen entfernt verbirgt sich mit der Kapelle Klein-Jerusalem ein ungewöhnliches niederrheinisches Bauwerk – eine detailreiche Nachbildung der heiligen Stätten von Bethlehem und Jerusalem.

Wer die Kapelle betritt, reist durch die biblische Geschichte. Im Untergeschoss erinnert die Geburtsgrotte an Bethlehem. Darin findet sich der Stern von Bethlehem, jenes Symbol für das göttliche Licht, das nach christlichem Glauben mit der Geburt Jesu in die Welt kam. Daneben liegt die Krippengrotte mit dem Dreikönigsaltar.

Im Obergeschoss führt der Weg nach Jerusalem. Hier prägen eine eindrucksvolle Kreuzigungsgruppe und das Heilige Grab den Raum. Besonders bemerkenswert ist die Grabkapelle aus dem Jahr 1661, die das Grab Jesu in der Jerusalemer Grabeskirche nachbildet – und zwar in der Gestalt, wie sie vor dem verheerenden Brand von 1808 aussah. Fresken, Holzskulpturen und zahlreiche Details machen den Besuch zu einer Entdeckungsreise.

Entstanden ist dieses außergewöhnliche Bauwerk in den Jahren 1655 bis 1660. Sein Erbauer, der Geistliche Gerhard Vynhoven, hatte den Dreißigjährigen Krieg mit all seinen Verwüstungen erlebt. Zugleich hatten ihn Pilgerreisen ins Heilige Land tief beeindruckt. Seine Vision: den Menschen die Orte des Lebens, Leidens und der Auferstehung Jesu vor Augen zu führen, ohne dass sie die gefährliche und kostspielige Reise nach Jerusalem antreten mussten. Nach den Schrecken des Krieges sollte Klein-Jerusalem Trost, Hoffnung und Orientierung schenken.

Die Wallfahrtsstätte entwickelte sich schnell zu einem beliebten Ziel am gesamten Niederrhein. Nach wechselvollen Jahrhunderten wurde die Kapelle zwischen 1979 und 1982 umfassend restauriert. Heute zählt sie zu den kulturhistorischen Schätzen der Region und zieht Jahr für Jahr zahlreiche Besucher an.

Wer mehr über die spannende Geschichte dieses besonderen Ortes erfahren möchte, hat im August gleich zwei Gelegenheiten. Auf Einladung des Kempener Geschichts- und Museumsvereins beleuchtet der Historiker und NRW-Finanzminister Dr. Marcus Optendrenk am 9. August die Entstehung von Klein-Jerusalem und ordnet sie in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges ein. Am 15. August lädt der Verein zu einer Exkursion mit Führung nach Neersen ein – die wohl kürzeste Reise nach Bethlehem, die man vom Niederrhein aus unternehmen kann.

Termine

Vortrag: Sonntag, 9. August, 11.15 Uhr, Rokokosaal des Kramer-Museums. Dr. Marcus Optendrenk spricht als Historiker – nicht als -Finanzminister – über die Geschichte von Klein-Jerusalem und ihren Gründer Gerhard Vynhoven. Eintritt: 7 €, Mitglieder des Kempener Geschichts- und Museumsverein frei

Ausflug: Samstag, 15. August, Fahrt mit Führung nach Neersen. Informationen und Anmeldung unter: kgmv.org


© Foto: Rudolfo42, CC BY-SA 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0>, via Wikimedia Commons