Im Kempener Norden verändert sich gerade vieles – und nicht alles davon sorgt für gute Nachrichten. Mit Ingo Behr hat sich im Mai eine prägende Figur des Hagelkreuzes in den Ruhestand verabschiedet. Doch neue Gesichter sorgen auch für Zuversicht.
Als Quartiersentwickler brachte Ingo Behr Menschen zusammen, stieß Projekte an und sorgte dafür, dass aus Ideen konkrete Angebote für das Viertel wurden. Angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt wird es keinen Nachfolger geben. Ganz verschwindet die Quartiersarbeit damit aber nicht: Einstimmig sprach sich die Politik dafür aus, das Quartiersbüro am Concordienplatz weiterhin anzumieten. Mit rund 7000 Euro Jahresmiete bleibt der Treffpunkt für die Bürgerschaft erhalten – auch wenn dort künftig kein städtischer Mitarbeiter mehr sitzen wird.
Im Mai kam Ingo Behr noch einmal ins Quartiersbüro, um sich in den Ruhestand zu verabschieden und erinnerte sich mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern an die vergangenen Jahre, in denen viel erreicht wurde. Nach zehn Jahren blickt Behr mit Stolz auf die Entwicklung im Hagelkreuz zurück. Viele Projekte wie die „Schmöckerbude“, das Café Wackelkontakt, Sport- und Bewegungsangebote, ein Malkreis und eine Kochgruppe seien aus dem Engagement der Menschen im Viertel selbst entstanden. Gemeinsam mit Vereinen, Kirchen und Initiativen sei es gelungen, Begegnungen zu schaffen und die Menschen miteinander zu vernetzen.
„Die Leute sind stolz darauf, im Hagelkreuz zu wohnen“, sagt Behr über den grünen Stadtteil, der seiner Meinung nach oft unterschätzt werde. Besonders wichtig sei ihm, dass die gewachsenen Strukturen auch ohne offizielle Nachfolge weiterbestehen: Nachbarschaften hätten sich gefestigt, Menschen unterstützten sich gegenseitig und setzten eigene Ideen um. Trotz aller Herausforderungen sei die Quartiersarbeit für ihn „eine schöne Zeit“ gewesen, in der viel bewegt werden konnte.
Neuer Vorsitzender für den Bürgerverein
Nach der politischen Entscheidung, die städtische Quartiersentwicklung auslaufen zu lassen, war die Unsicherheit zunächst groß. Natürlich wird der Wegfall dieser Begleitung für das Engagement vor Ort ein Verlust sein. Aber es geht weiter.
Ein sichtbares Zeichen dafür ist der Vorstand des rührigen Bürgervereins Kempen-Hagelkreuz. Till Helbig hat dort den Vorsitz von Willi Stenhorst übernommen, der den Verein über viele Jahre geprägt hat. „Willi hinterlässt große Fußstapfen“, sagt Helbig offen. „Der kennt halb Kempen.“ Schon vor zwei Jahren habe Stenhorst angekündigt, sich zurückziehen zu wollen.
Der neue Vorsitzende lebt seit rund 20 Jahren im Hagelkreuz, ist verheiratet, Vater eines 14-jährigen Sohnes und fühlt sich dem Stadtteil eng verbunden. Neue Projekte kündigt er nicht an. „Ich muss mich erst einmal reinfinden“, sagt er. Vieles sei umfangreicher, als er zunächst gedacht habe, und müsse neben dem Beruf bewältigt werden. Deshalb wolle man die Aufgaben künftig breiter im Vorstand verteilen.
Bürgerfest steht am 6. Juni an
Rund 200 Mitglieder zählt der Verein, darunter viele ehrenamtlich Aktive. Gleichzeitig ist ein Generationswechsel spürbar. Neue Familien und Helfer sollen eingebunden werden. Zum neuen Vorstand gehören neben Till Helbig die stellvertretende Vorsitzende Eva-Maria Willemsen, Finanzwart Christian Hausmanns, Geschäftsführerin Annelie Höft sowie die Beisitzerinnen Daniela Welfonder und Melanie Topeters.
Gerade die großen Veranstaltungen zeigen, wie wichtig der Verein für das Viertel geworden ist. Höhepunkte im Jahreskalender sind das Bürgerfest und der Adventsmarkt. Beide Veranstaltungen seien allerdings eine Herausforderung – auch finanziell, berichtet Helbig. Besonders das verregnete Bürgerfest im vergangenen Jahr habe deutliche Spuren in der Vereinskasse hinterlassen. Trotzdem soll das Fest erhalten bleiben. „Das ist mittlerweile eine Institution“, sagt Helbig.
Am Samstag, 6. Juni, wird deshalb wieder mit einem bunten Programm auf dem Concordienplatz gefeiert (Infos dazu siehe Programm auf Seite 15). Die Organisatoren hoffen, dass das Wetter in diesem Jahr mitspielt.
Die Quartiersarbeit der letzten zehn Jahre hat viele neue Freizeitangebote hervorgebracht – und blickt man in den Online-Veranstaltungskalender auf unser-quartier.de/hagelkreuz ist auch für Juni und darüber hinaus wieder einiges angesagt. Senioren in Bewegung, Offener Malkreis, Handmade Club, Bücherannahme Schmökerbude und mehr gehören dazu. Einmal im Monat, das nächste Mal am Samstag, 13. Juni, 13 bis 16 Uhr, wird im Repair-Café Wackelkontakt reparaturbedürftigen Kleingeräten neues Leben ermöglicht.
Pünktlich vor dem Bürgerfest ist nun auch die neue Ausgabe der Stadtteilzeitung „Stadtklatsch“ erschienen – ebenfalls längst eine feste Größe im Viertel. Wie sich die Quartiersarbeit künftig ohne feste Ansprechperson entwickeln wird, bleibt zwar offen. Doch im Hagelkreuz überwiegt trotz aller Unsicherheiten der Optimismus. Mit einem engagierten, verjüngten Bürgervereins-Vorstand und vielen aktiven Menschen scheint die Basis dafür jedenfalls gelegt zu sein.

