Von Videotheken und Buchmessen – eine Kempener Autorin auf dem Weg nach oben

Am 24. März erscheint der Debütroman „Little Hollywood“ der Kempenerin Inga Hanka. Und ihr Verlag hat Großes mit ihr vor. 

Wenn man bei einem bekannten Online-Buchhändler nach dem Roman der Kempenerin Inga Hanka sucht, findet man den Hinweis: „Für Fans von Caroline Wahl und Benedict Wells.“ Es liegt also in der Luft: Hier hat ein Verlag Großes vor. Das hat die Autorin selbst bereits bemerkt, bevor das Buch fertig war. Aber fangen wir vorne an. 

„Die Idee, ein Buch zu schreiben, gab es eigentlich schon immer“, blickt Inga Hanka zurück. Beruflich wurde sie als Texterin und Fotografin für Radio, Print- und verschiedene Onlinemedien aktiv. Das erste Buchprojekt verwirklichte sie zusammen mit dem gebürtigen Kameruner und heutigen Kempener Christian Eloundou. In „König der Sonne: Flucht vor der Heimat“ schrieben sie seine Lebensgeschichte auf und brachten es als Buch heraus. Alles aber eher im kleinen Rahmen. 

Wie die Figuren entstehen

Größer wurde es da schon, als Inga Hanka bei der renommierten Literaturagentur AVA bei einer Ausschreibung einen Agenturvertrag gewann und mit Unterstützung einer Mentorin einen Liebesroman verfasste. Doch leider fand sich kein Verlag, der den Text herausbringen wollte. Im Telefonat mit ihrem jetzigen Agenten brachte sie die Idee einer Geschichte ein, die in den 90er Jahren in einer Videothek spielt. Und der war gleich begeistert. Der Klang ihrer Stimme hatte ihm verraten, dass dies eine gute Geschichte werden würde. „Dann habe ich das aufgeschrieben und ein Probekapitel geschickt. Er hat sofort gesagt: Super, mach weiter. Dann habe ich die ersten 100 Seiten geschrieben. Und dann haben wir das ganz schnell auf der Buchmesse, ganz überraschend, tatsächlich verkauft.“ Ihre jetzige Lektorin hatte noch auf der Messe ein Angebot gemacht und Inka Hanka schlug zu. 

Bei ihrem ersten Buch habe sie sich noch sehr viele Gedanken gemacht, viel geplant, viel im Kopf konstruiert. Bei dieser Geschichte waren es eher die Charaktere, die die Handlung bestimmten. „Wenn man jemanden gut kennt, dann weiß man ja auch, was derjenige tun und sagen würde. Man hat ein Gefühl dafür. Das heißt, du weißt genau in der Situation: Meine Mutter würde jetzt so reagieren. Oder mein Freund würde jetzt genau den Spruch bringen. Und das hat ja mit einem selber gar nicht so wahnsinnig viel zu tun. So war es beim Schreiben auch. Es war irgendwie dann klar, was die Hauptfigur, sie heißt Leonie, Leo genannt, dann tun muss.“

Mit Sicherheit tragen ihre Figuren Züge von Personen, die sie kenne, so die Autorin. Eins zu eins abgebildet sei aber niemand. „Der kleine Bruder im Buch hat was von meinem kleinen Bruder. Die beiden haben eine sehr liebevolle Beziehung und das haben mein Bruder und ich auch. Gleichzeitig ist er ganz anders als mein Bruder, weil er auch was von mir hat. Am Ende bin das ja irgendwie gefühlt siebenmal Ich, weil die Figuren alle aus mir heraus entstanden sind. Das ist ein Prozess, der ist total faszinierend für mich. Man lernt sich selber kennen durch das Schreiben.“ 

Vom Wochenbett zur Buchmesse

Der EccoVerlag, der zur Verlagsgruppe Harper Collins gehört, sieht offenbar großes Potenzial im Werk der Kempenerin und rührt ordentlich die Werbetrommel. „Ich war schwanger und habe im Juli ein Kind gekriegt. Und der Plan war, im Herbst das Lektorat zu machen, wenn das Baby dann ein paar Monate alt ist. Dann habe ich ein bisschen Zeit fürs Wochenbett.“ Aber dann kam es anders. Der Verlag wollte bereits im Juni Leseexemplare an Buchhändlerinnen und Buchhändler, an Presse und Co. verschicken. Und so arbeitete Inga Hanka auch im Wochenbett weiter, um den Zeitplan zu schaffen. Denn an diesem Punkt merkte sie bereits, dass der Verlag sich für ihr Buch reinhängt. Nun, kurz vor dem Verkaufsstart, ist die heiße Phase der Werbung angelaufen. Termine mit Buchhändlern, Programm auf der Leipziger Buchmesse mit Lesungen, Podiumsdiskussionen und Treffen mit Bloggern stehen an. „Der Messestand in Leipzig wird tapeziert mit meinem Cover. Das ist irre“, freut sich die Autorin. 

Ihr Buch erzählt die Geschichte von Leonie, genannt Leo, die sich nach der Schule kopfüber in die Freiheit stürzen will und stattdessen auf dem Boden der Realität landet. Streit mit der Mutter, Strafanzeige gegen den Vater und Ferientage mit dem kleinen Bruder, statt ein Sommer mit Olli, der sie erst geküsst und dann sitzengelassen hat. Zum Glück gibt es „Little Hollywood“, die Videothek an der Ecke, deren einziger Nachteil Jo heißt. Der hat „Schnaps und Unfug“ auf den Arm tätowiert und zwingt Leo jedes Mal, „Wahrheit oder Pflicht“ zu spielen, obwohl sie sich doch nur in einen Film flüchten will. Für Leo beginnt ein unvergesslicher Sommer, in dem sie lernt, was es bedeutet, mutig zu sein. Das Buch ist eine Hommage an die späten 90er Jahre. „Inga Hanka erzählt mit viel Charme in die Wochen des Lebens hinein, in denen gefühlt alles und nichts gleichzeitig passiert – die Wochen des letzten Sommers vor dem endgültigen Erwachsenwerden“, so der Verlag. 

Die Promo-Aktionen rund um das Buch gehen aber noch über Messestand und Lesungen hinaus. So werde sie sich ein Tattoo stechen lassen. „Das hätte ich niemals gedacht, dass ich das jemals tun werde.“ Aber „Schnaps und Unfug“ passe nicht zu ihr, habe ihr Mann angemerkt, eher „Rotwein und Regeln“. Nun lässt sie sich den Schriftzug „Little Hollywood“ stechen und der Tattoo-Termin werde medial begleitet. 

Nach der Premierenlesung in Kempen geht es nach Hamburg und zu einem Festival in Würzburg. Und weitere Termine sind in Planung. Über die Seite www.harpercollins.de/pages/autorinnen-und-autoren/inga-hanka und auf Instagram @ingahanka kann man sich auf dem Laufenden halten. 

Damit das alles funktioniert, hilft die Familie mit. Ihr Bruder Nils Kretschmer ist Schauspieler und Sprecher und hat daher viele Tipps für die anstehenden Termine parat. „Ich bin gespannt, wie wir das jetzt machen. Wir haben ja ein Baby, das muss mit und ich habe Riesengrück, dass meine Schwester, sie ist 20, gerade Luft hat und mitkommt nach Hamburg, Leipzig und Würzburg.“ Für die beiden Mädels zu Hause sind auch die Omas und Opas da. „Das wird jetzt eine spannende Phase“, so die Autorin.

Zur Person

Inga Hanka, Jahrgang 1988, arbeitete als Texterin und Fotografin für Radio, Print- und verschiedene Onlinemedien, bevor sie unter dem Motto „Kreieren statt konsumieren“ in Workshops kreative Schreibtechniken mit aktuellen Coachingmethoden kombinierte. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Kempen, wo sie eine Gärtnerei betreiben.

Zum Buch

Ihr Buch „Little Hollywood“ erscheint im Ecco Verlag und ist als Hardcover ab 24. März für 24 € in den Buchhandlungen zu haben. 

Die Premierenlesung im Rokokosaal am Donnerstag, 26. März, ist bereits ausgebucht. Über den Anmeldelink https://tinyurl.com/LesungIngaHankaKempen2603 kann man sich auf die Warteliste setzen lassen, falls ein Platz frei werden sollte. Die Moderation an diesem Abend übernimmt Sarah Weber, bekannt als Bloggerin von niederrheinblond.de.