Von innen haben die Arbeiten zur Entkernung schon angefangen. Die Ankunft der Bagger steht nun kurz bevor. Die alte Schwimmhalle des AquaSol an der Berliner Allee wird nun abgerissen.
Ulrike Gerards
Bei diesem Anblick wird der eine oder die andere sicher nostalgisch. Wie viele junge Kempenerinnen und Kempener haben in diesen Becken schwimmen gelernt? Wie viele haben sich in diesen Umkleidekabinen für das Schulschwimmen fertig gemacht? Wie viele haben hier versucht, Gleichaltrigen mit einer gekonnten Arschbombe vom Drei-Meter-Brett oder einer stilvollen Performance auf der gelben Röhrenrutsche zu imponieren?
Es ist ein Stück Kempener Stadtgeschichte, das nun zu Ende geht. Und zwischen Fliesen, Holzverkleidung und Fenstefronten ahnt man eine Menge schöne Erinnerungen, die hier in knapp 55 Jahren entstanden sind. Davon kann auch Michael Bist berichten. Der Betriebsleiter im AquaSol verbindet mit der alten Schwimmhalle seine ersten beruflichen Gehversuche. 1998 begann er hier seine Ausbildung. Nicht nur für ihn ist es ein Abschied mit Wehmut – auch für Kollegen und Gäste. Vieles hat Bist selbst hier gelernt. Und auch zahlreichen Kindern das Schwimmen beigebracht. „Die Kinder muss man dabei auch immer ein bisschen abholen und in den ersten Stunden erst einmal Vertrauen aufbauen“, erzählt Michael Bist.
Das Schwimmbad hat so manche Veränderung mitgemacht. Zweckmäßig ist es als einfache Schwimmhalle gestartet. 1971 wurde das neue Schwimmbad an der Berliner Allee eröffnet, das damals das altehrwürdige Hohenzollernbad an der Burgstraße ablöste. In dem neuen Bad war endlich auch richtiges Sportschwimmen möglich.
Schwimmhalle wurde 1971 eröffnet
Ein kleiner Blick in die Kempener Schwimm-Geschichte: 1921erhielt der Verein VTK eine Schwimmabteilung mit eigenem Vorstand. Das war der Grundstein für den heute eigenständigen Schwimmverein SV Aegir 21 Kempen. Der Schwimmsport wurden immer beliebter, auch wenn es damals Vorbehalte gab, wie man der Aegir-Chronik entnehmen kann. So lehnte die Zentrums-Partei ab, dass „im engen Raume der Schwimmhalle Personen beiderlei Geschlechts sich fast hüllenlos entgegentreten“. Davon ließ man sich nicht beirren. Am 10. Oktober 1971 feierte der Verein sein 50-jähriges Bestehen zusammen mit der Eröffnung des sportgerechten Kempener Hallenbads, das ein 25-Meter-Becken mit vier Bahnen bot. Noch in den späten 70er Jahren wurde dann um ein Freibad erweitert, mit 50-Meter-Sportbecken, einem Sprungbecken mit Fünf-Meter-Turm, einem 25-Meter-Becken und einem Nichtschwimmerbecken. Die Stadtwerke übernahmen das Schwimmbad zum 1. Januar 1987 von der Stadt Kempen und sind bis heute der Betreiber. Seit 1990 heißt das Bad AquaSol, zunächst aqua-sol geschrieben.
Freizeitverhalten ändert sich
Die Anforderungen der Menschen veränderten sich mit der Zeit: vom zweckmäßigen Schwimmbad für den Sport hin zur Freizeiteinrichtung, die Spaß und Entspannung bietet. Und so kamen der Solebereich und die gelbe Röhrenrutsche hinzu. In den 90er Jahren folgte die Breitrutsche im Freibad, und schließlich eröffnete 2013 die Saunaanlage mit Dachgarten.
Auch Michael Bist hat in seiner Laufbahn einige Veränderungen miterlebt. Noch vor einiger Zeit sei das Freizeitverhalten anders gewesen. Viele junge Gäste kamen in den Sommerferien jeden Tag. „Es waren immer die gleichen Gruppen da, man kannte sich und ging ganz anders miteinander um. Das hat sich verändert“, so der Badleiter. Grund dafür sei wohl auch, dass sich das Angebot zur Freizeitgestaltung enorm erhöht hat.
Die bislang größte Umbaumaßnahme zwischen 2019 und 2021 läutete dann den Abschied von der alten Schwimmhalle ein. 7,8 Millionen Euro investierten die Stadtwerke Kempen in eine neue Schwimmhalle. Nicht alle Schwimmer waren damals begeistert davon, dass sie auf das 50-Meter-Außenbecken und eine Sprunganlage im Hallenbad verzichten müssen. Doch die Politik plädierte für die Pläne, die das Schwimmbad in Zukunft finanzierbar machen sollten. Im Januar 2019 rollten dann die Bagger, im September 2021 fand die Einweihung statt. Das neue AquaSol bietet ein Fitnessbecken, ein Kursbecken mit Hubboden und einen größeren Familienbereich sowie einen Wintergarten zum Entspannen. Über einen Schwimmkanal gelangt man ins Ganzjahresbecken, in dem zu jeder Jahreszeit angenehme 23 Grad Celsius herrschen und Freiluftschwimmer auf ihre Kosten kommen. Der Solebereich ist geblieben und findet sich sowohl im Innenbereich als auch im Außenbereich. Für viele junge Badegäste ist die Rutsche „Magic-Eye“ ein Highlight.
Am 1. Februar 2021 hatte Michael Bist den Stöpsel gezogen und die alte Halle außer Betrieb genommen. Seither war die Schwimmhalle mit 25-Meter-Becken und Lehrbecken, in das früher die Rutsche führte, in den Dornröschenschlaf gefallen. Schon im September 2022 war die gelbe Röhrenrutsche abgebaut worden. Erlebe Kempen war im Januar noch zu einem Besuch dort, um vor dem Abriss ein paar letzte Fotos zu machen.
Hotel anstelle der alten Schwimmhalle
Im Januar haben die Arbeiten zur Entkernung begonnen. Mitte Februar werden dann auch die Bagger erwartet, um die alte Halle abzureißen. Im Keller befinden sich weiterhin Pumpen und der Sole-Tank. Daher bleibt das Untergeschoss erhalten und wird ebenerdig abgedichtet. Ende März soll die Abfuhr der Materialien erfolgen. Für die Badegäste kann der Abriss auch Lärm bedeuten, vielleicht sind auch Schließtage notwendig. Sicherheit geht vor. Aber Badleiter Michael Bist hofft, dass diese Arbeiten montags durchgeführt werden können, wenn das AquaSol eh geschlossen ist. Falls Schließungen notwendig werden, informieren die Stadtwerke rechtzeitig. Die Planungen wurden so vorgenommen, dass vor der Freibadsaison die Arbeiten abgeschlossen sind.
Auf dem Areal soll bekanntlich ein Hotel gebaut werden. Die ersten Pläne dazu wurden im Juni 2022 vorgestellt. Der Bremerhavener Hotel-Investor Jens Grotelüschen, Geschäftsführer der Hotelkette „Havenhostel“, plant ein Hotel mit 240 Betten. Anfang Januar bekräftige Grotelüschen die bestehenden Planungen im Gespräch mit der Rheinischen Post. Er hoffe, dass man in diesem Jahr starten könne. Die Fläche für das Hotel gehört weiterhin den Stadtwerken, die diese über einen Erbbaupachtvertrag für 70 Jahre an den Investor vermieten.
Familien können die Saunawelt entdecken
Zurück zum AquaSol: Dort hat das Bäder-Team für Februar eine neue Idee. Die Saunalandschaft öffnet an ausgewählten Wochenenden gezielt auch für Familien. An den Familiensauna-Tagen am 7./8. Februar, 14./15. Februar, 21./22. Februar sowie am 28. Februar/1. März können Eltern und Kinder gemeinsam die Welt der Sauna entdecken.
Mit dem neuen Format möchte das AquaSol deutlich machen, dass auch Familien in der Sauna willkommen sind. Die Familiensauna-Tage sind als Schnupperangebot konzipiert, das Familien die Möglichkeit gibt, die Saunalandschaft kennenzulernen und Kinder behutsam an das Thema Sauna heranzuführen. Der Saunabereich ist an den Familiensauna-Tagen direkt von der Wasserwelt aus erreichbar, die Treppe zur Sauna befindet sich im Kinderbereich. So können Familien unkompliziert zwischen Wasserwelt und Sauna wechseln. Speziell für diese Tage wird ein Kombitarif für Wasserwelt und Sauna angeboten. Ein zentraler Bestandteil der Familiensauna-Tage ist die Textilsauna, die insbesondere für Sauna-Neulinge einen niederschwelligen Einstieg ermöglicht. Anders als an regulären Besuchstagen bedeutet dies, dass beim Besuch der Sauna die Badebekleidung nicht ausgezogen werden muss. Ergänzt wird das Angebot durch zwei unterschiedlich temperierte Saunen und ein Dampfbad, wodurch die Familiensauna-Tage auch für Sauna-Einsteiger gut geeignet sind.
Neuer Tarif für Kurzschwimmre
Und noch eine Neuerung gab es im neuen Jahr: Das AquaSol hat einen neuen Tarif für Kurzschwimmer eingeführt. Der Eintritt gilt für 70 Minuten und kann auch während der Frühschwimmerzeit dienstags bis freitags von 6.30 bis 8 Uhr genutzt werden. Zum Jahreswechsel wurden zudem die Preise in der Wasserwelt moderat angepasst. Die Preise für den Saunabereich bleiben unverändert.
Sparen können Kundinnen und Kunden der Stadtwerke Kempen mit dem Energievorteil. Sie erhalten 10 Prozent Rabatt auf Online-Tickets für die Wasserwelt. Voraussetzung ist eine Registrierung im Online-Ticketshop: shop.aqua-sol.de

