Gut beschirmtes Herz

Die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern wird in aller Regel medikamentös behandelt. Bei Vorhofflimmern kann ein durch den gestörten Blutfluss verursachtes Gerinnsel zu Komplikationen wie Schlaganfall führen. Um die Bildung und Ausbreitung von Blutgerinnseln zu verhindern, werden die Patienten als Standard-Therapie mit Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar oder mit neuen oralen Antikoagulanzien (Eliquis, Pradaxa, Lixiana, Xarelto) behandelt – das sind sogenannte Blutgerinnungshemmer.
Doch was ist, wenn der Patient die Medikamente nicht verträgt? Bei manchen Menschen bestehen Begleiterkrankungen, die aufgrund eines hohen Blutungsrisikos oder schweren Blutungen, die bereits stattgefunden haben, eine weitere medikamentöse Behandlung mit Gerinnungshemmern ausschließen. Bei diesen Patienten kann das Schlaganfallrisiko durch eine Implantation eines Vorhofrohrverschlusssystems reduziert werden.
Dieses System verhindert, dass Blutgerinnsel aus dem linken Vorhofrohr in den Blutkreislauf gelangen. Fast 100 Prozent der Gerinnsel bei Vorhofflimmern bilden sich im linken Vorhofrohr. Durch das Implantat namens Okkluder – wegen seiner Funk­tionalität auch „Schirmchen“ genannt – wird das Vorhofrohr verschlossen, so dass sich dort keine Gerinnsel mehr bilden können. Der Schutz vor Embolie bzw. Schlaganfall ist vergleichbar gut wie durch Therapie mit Gerinnungshemmern.
Im Kempener Hospital zum Heiligen Geist wird das Implantat über einen einstündigen minimal invasiven Eingriff unter Narkose von einem erfahrenen Kardiologen eingesetzt. Dieser Eingriff ist schonender für den Körper als eine offene Operation. Die Patienten haben weniger Schmerzen und können das Krankenhaus früher verlassen. Über die Vene in der Leiste legt der Kardiologe einen Zugang zum Herzen und bringt das Implantat zum Vorhofrohr. Nach einer ein- bis zweitägigen Nachbeobachtung kann der Patient das Hospital verlassen.

Dr. Rostislav Prog (52) ist seit März 2022 Chefarzt der Kardiologie am Hospital zum Heiligen Geist in Kempen. Der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie mit Zusatzqualifikationen in der Interventionellen Kardiologie und der Herzinsuffizienz verfügt über jahrelange praktische Tätigkeiten, zuletzt am Sana Krankenhaus in Düsseldorf-Benrath. Für Kempen hat sich der verheiratete Vater von zwei Kindern die Etablierung eines kardiologischen Notdienstes auf die Fahnen geschrieben.